..woher? … wieso? … warum?

Über die sogenannte „Urschöpfung“ meiner Vampirsaga FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE! habe ich früher bereits andernorts eifrig geschrieben. Doch wie entstanden die Charaktere? Gab es Vorbilder? Lebende Menschen vielleicht, die als Vorlage dienten?

Als ich mich zum Schreiben hinsetzte, waren da nur zwei Dinge in mir. Dieser seltsame, sinnlose „Traum“ und meine – unerfüllte – Sehnsucht nach einer gewissen Vampirwelt, die ich als Autor nicht betreten durfte (Als Leser zum Glück sehr wohl). Nichts liegt mir ferner, als etwas kopieren zu wollen, dazu ist mein Anspruch an „Echtheit“ viel zu groß. Und doch ergab es sich am Anfang des Schreibens, dass ich unbewußt Grundcharaktere schuf – sozusagen „Skelette“ von Persönlichkeiten – die ich später mit eigenem Leben und eigenen Ideen aufzufüllen gedachte.

Später, als sich die Geschichte langsam entwickelte – immer im pechschwarzen Raum, in dem ich mich vorantastete – entdeckte ich erst, welche Charaktereigenschaften meine Personen besaßen und dass sie sich in vielem von dem unterschieden, was mich zuerst, unbewußt, überhaupt zum Schreiben animierte.

Beryll Lennart. Er ist eine reine Kunstperson. Bei seiner Erschaffung hatte ich keinerlei Vorbild. Nichts. Da es im gesamten Universum keinen Mann gibt, der 1:1 so ist, wie das Idealbild meines „inneren Mannes“, konnte ich mich bei Beryll voll entfalten. Ich verlieh ihm aber nicht nur gute und ideale Züge, wie unverbrüchliche Liebe und Treue, sondern auch unangenehme, fast peinliche Eigenschaften, wie seine Autoritätshörigkeit gegenüber den Altvorderen und seine Ungeduld und Arroganz. Immer wieder höre ich, dass manche Frauen nicht ganz mit Beryll einverstanden seien. Ein Umstand, der mir über die Maßen gefällt, denn einen abgehobenen Helden zu schaffen oder das Klischee eines zeitgeistigen jungen Mannes, war nie mein Bestreben. Beryll entwickelt sich im Laufe der Saga, manchmal sogar zu meiner eigenen Verwunderung. Er ist sehr präsent, sehr lebendig und vor allem ist er ganz und gar MEIN. Und das für immer und ewig.

Benjamin Lennart. Ein wenig ist Josie auch in Berylls Vater Benjamin, verliebt, was sich von der ersten Begegnung an zeigt. Benjamin ist die reifere und abgeklärtere Version seines Sohnes und besitzt die Führungseigenschaften eines altbiblischen Patriarchen, ohne jedoch jemals das Mass für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu verlieren. Er gleicht in keiner Weise demjenigen, der sein „Skelett“ darstellte. Jener ist zwar ebenso gütig, aber schwach und ohne Charisma. Ich hoffe mein Benjamin besitzt mehr davon.

Noel Lennart. Sie ist – zugegebenermaßen – der schwächste Charakter meiner Saga. Obwohl ich sie hochverehre und eine wundervolle Frau finde, mütterlich und tüchtig und gefährlich zugleich, schaffe ich es nicht, ihr mehr Profil zu verleihen. Das liegt möglicherweise (psychologisch betrachtet) daran, dass mir die Schönheiten einer Mutter-Tochter-Beziehung versagt blieben und ich kein Herzensbild einer Mutter in mir finden kann. Möglicherweise ist sie aber einfach nur ebenso profillos geblieben wie ihr „Skelett“. Doch man sollte niemals „nie“ sagen, die Saga geht ja schließlich weiter …

Anabel Bartolini Lennart. Ich liebe sie. Sie ist meine ganz persönliche Göttin. Bei keiner anderen Charakterentwicklung, außer natürlich bei Beryll, gab ich mir soviel Mühe, wie mit Anabel. Sie steht mir so nahe, wie die beste Freundin, die liebste Tochter und – möglicherweise – sogar eine große Schwester. Anabel ist ganz und gar meine Schöpfung und mit niemand Bekanntem vergleichbar.

Ricarda Iwanow Lennart. Was mit einigem Widerwillen begann ( ich mochte Ricci zuerst überhaupt nicht und hielt sie für oberflächlich und klischeehaft) erwuchs später zu einer innigen Freundschaft. Je besser ich sie kennenlernte, desto mehr gefiel mir die – unter ihrem fröhlichen Wesen – verborgene Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit und ihre Güte, die nicht einer mütterlichen Ader entspringt, sonderm eher aus einer kameradschaftlich sachlichen Quelle gespeist wird. Ich bin mir nie sicher, ob ich sie nicht doch ebensosehr liebe, wie Anabel.

Eric Lennart. Er braucht nicht viel Persönlichkeit zu haben. Eric ist einfach nur schön, unkompliziert und gutherzig. Er sieht aus wie ein Gott, eigentlich ganz genau wie Chris Hemsworth ;-) und ist der liebste Bruder und Schwager, den ein Mensch – oder Vampir – sich nur wünschen kann.

Paolo Lennart. Ich mag Paolo. Er ist eine simplifizierte Ausgabe Berylls, ohne dessen Tiefgang und ohne dessen Ecken und Kanten. Mit ihm zu leben, muß sehr einfach sein (und langweilig). Josie liebt es, ihn anzusehen, um die Ähnlichkeiten zu vergleichen … und die Verschiedenheiten. Auf Paolo ist immer Verlass. Es ist schön, mit ihm in ein und derselben Familie leben zu dürfen.

Serrano Bartolini. Wer möchte nicht einen Onkel und Schwager haben, der das typisch Italienische in sich trägt und trotzdem so ein patenter Kerl ist, das er mit arroganten Engländern und Franzosen zusammenleben möchte (Noel stammt ursprünglich aus Frankreich, Benjamin aus England.) Er ist der gute Onkel, den ich nie hatte und den doch jeder gerne in seiner Familie hätte. Als kämpfender Aldorit ist er jedenfalls nicht zu unterschätzen.

Stephen Ivanow. Eine knifflige Sache. Der, der das „Skelett“ für Stephen bildete, war mein absolutes Hassobjekt, den ich immer überlas oder übersah, so uninteressant war er für mich. Es war nicht einfach Stephen mit Leben zu erfüllen. Doch im Verlaufe der Geschichte, zeigten sich an ihm immer mehr interessante Charaktereigenschaften – bis ich mich zuletzt richtiggehend in ihn verliebte. Er ist der Ruhepol der Familie Lennart, derjenige zu dem ich als Erstes laufen würde, wenn ich Probleme hätte. Seinen Rat würde ich sogar noch dem Benjamins vorziehen.

Über die weiteren Charaktere der Geschichte hier zu schreiben, wäre kontraproduktiv, denn viele davon tauchen erst in den späteren Bänden auf. Erwähnenswert sind noch die drei Freundinnen Josephines. Alle drei „Skelette“ sind meine widergespiegelten Freundinnen. Zwei davon durften sich sogar ihre Namen selbst aussuchen. Im Verlaufe des Schreibens änderte ich jedoch ihre Namen nach eigenem Gutdünken um, da sich in meinem privaten Bereich etwas ereignete, das mir diese „Vergünstigung“ unverdient erscheinen ließ und jene Freundin, die am schlechtesten wegkommt, hat es nicht verdient, mit ihrem echten Namen genannt zu werden. Daher finden sich in den älteren Versionen meines ersten und zweiten Bandes, die vielleicht noch kursieren, andere Namen, als in den späteren Ausgaben.

Vielleicht noch eine Anmerkung zur Person der Josephine Lennart.

Eine meiner Kritikerinnen schrieb, dass Josie „vollkommen unglaubwürdig sei und unrealistisch“. Das ist sehr amüsant zu lesen, denn ausgerechnet Josephine ist der EINZIGE Charakter in meiner Vampirsaga, der fast 1:1 einem realen Menschen nachempfunden ist. Bloß, dass die „echte Josie“ etwas weniger weise und viel, viel ungeduldiger und zorniger ist, als ihre Schwester – die Romanfigur.

So viel zur – hoffentlich noch viele Bände umfassenden – Vampirsaga, die seit 2018 unter einem neuen Namen läuft:                            SORAILS ERBEN

 

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich – obwohl ich nunmehr schon fünf, bald schon sechs andere, unabhängige Romane geschrieben habe, keinen davon so sehr liebe, wie Idee, die Handlung und die Figuren von

                                      SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE)

Es wäre genau DIE Welt, in die ich jederzeit, ohne auch nur eine Sekunde lang zu zögern, hinübersteigen würde, so es sie in einem Paralleluniversum tatsächlich gäbe: Geschöpfe, die weiser sind und klüger als die Menschheit, Liebe, die nicht beim ersten Windhauch vergeht, Leben, die nicht nach mickrigen 70 oder 80 Jahren enden müssen und ein großer Clan, in dem ich eingebunden bin.

 

That’s why i write novels :-)

 

 

 

 

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Buchauszüge

SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE!)

BAND I – ERWACHEN

Wie aus dem Nichts heraus bemerkte ich plötzlich, dass ich auf die kalten Fliesen einer  Terrasse starrte. Scharf umrissen hoben sich die dunklen Ritzen von den helleren Steinen ab, denn jene waren erdig stumpf, die Fliesen aber glänzten wie matte Spiegelchen. Es war nur ein winziger Fleck in der übrigen Schwärze, den ich wahrnahm; grad groß genug, um drauf zu stehen, trotzdem aber unglaublich faszinierend.Als mein gewohntes Denken nach einer kleinen Weile wieder einsetzte, erweiterte sich damit auch mein Gesichtsfeld. Vorsichtig hob ich den Kopf. Plötzlich zerbarst die mich umgebende Dunkelheit und vor mir erschien das Bild eines mächtigen Baumes. Er stand, kahl und bar jeden Blattes vor einem samtblauen, sternenübersäten Himmel und reckte seine Zweige sehnsüchtig nach dem bleichen Licht des übermächtigen weißen Mondes.Unentschlossen stand ich da und starrte auf das wunderschöne, aber befremdliche Bild. Mein wiedergekehrtes Denken tat den nächsten Schritt und fragte: Wie bin ich hierher gekommen? Was mach ich hier und vor allem – WO bin ich? So viel ich auch in meinen Erinnerungen kramte: ich fand keine passende Erklärung. Ich war einfach so – plötzlich – hier gewesen! Ich tat das Einzige, was mir in dieser bizarren Situation zu tun übrig blieb: ich stand still und beobachtete.Da spürte ich mein Herz. Es pochte ängstlich. Quälend langsam kroch Panik in mir hoch und gerne wäre ich jetzt einfach davongelaufen!Doch wohin in dieser mir so fremden Szenerie?Ich fühlte mich wie gelähmt. Schon der Gedanke, mich bloß umzuwenden, um die Gegend genauer zu erkunden, wirkte bedrohlich. Sofort ließ ich ihn wieder fallen. Es fühlte sich an, als wäre ich einem Bild festgefroren und gefangen und gleichzeitig auch gefangen in der Zeit. Weit entfernt von jeder nur denkbaren Art selbständigen Handelns. Die mich umgebende ungesunde Stille verstärkte diesen irritierenden Eindruck.

Je länger ich bewegungslos stand und starrte, umso deutlicher traten Details zutage. Das Haus, auf dessen Terrasse ich – wieso auch immer – stand war uralt und märchenartig versonnen. Genau wie der riesige Baum vor mir, wurde es von diesem mächtigen Mond beschienen, der sein Licht auf Giebel, Balkone und ein mit verschörkelten Ornamenten verziertes Dach warf. Ich versuchte meine ganze Kraft zu bündeln, um mich loszureißen und zu bewegen, als ohrenbetäubender Lärm an mein Ohr drang!

Panikerfüllt öffnete ich die Augen! Das Getöse kam aus meinem Smartphone und entpuppte sich als der altvertraute Samsung-Weckruf. Es war morgens um sechs, ich lag daheim in meinem Bett und hatte alles nur geträumt! Erleichtert fuhr ich hoch, legte meine Hände an die Wangen und brabbelte: „Was für ein Traum! So beängstigend realistisch!“ Zügig sprang ich aus dem Bett und tappte ins Bad. Obwohl nichts Besseres als der langweilige Job auf mich wartete, erschien mir dies immer noch besser, als mutterseelenalleine vor einem fremden Haus im Irgendwo zu stehen… Im Erdgeschoss unseres Reihenhauses hörte ich meine Mutter rumoren. Spätestens jetzt wäre ich aufgewacht, denn das war ihr Bestreben im Lautsein: mich zu wecken! Vielleicht aber konnte sie auch gar nicht anders, da einfach alles an ihr laut und derb war. Ich putzte meine Zähne, wusch das Gesicht mit Seife und Heißwasser und spülte eiskalt nach; nun war ich schon über die Zwanzig hinaus und immer noch hatte ich Probleme mit unreiner Haut! Während ich mein dünnes Haar bürstete, stahl sich ein unkontrollierter Seufzer aus meiner Brust. Wie aufs Stichwort kroch der alte Kummer in mir hoch und ich fühlte mich – wie immer schon, seit ich denken kann – unzulänglich und unvollkommen. Wie immer war das Gefühl von Unzulänglichkeit mit einer bestimmten Person verknüpft. meiner mit elf Jahren verstorbenen Schwester Ingrid. Das arme Mädchen war bei einem furchtbaren Autounfall ums Leben gekommen. Auch wenn ich sie zeitweise hasste – so liebte ich sie zeitweise auch und fühlte mit ihr. Elf Jahre Lebenszeit sind eindeutig zu wenig! Oft stellte ich mir vor, wie es gewesen wäre, sie gekannt zu haben. Eine dumme Illusion, da mich meine Mutter dann nie zur Welt gebracht hätte! Ich war bloß der enttäuschende Ersatz für Ingrid geworden. Zwar auf der Welt: ein gesundes und lebendes Kind – aber eben nicht mehr. Auf bestimmter Ebene konnte ich das Verhalten meiner Mom sogar irgendwie verstehen: Ingrid WAR ja auch das perfekte Kind gewesen. Wer hätte das toppen können? Extrem hübsch, mit schwerem lockigem Haar, mandelförmigen Augen, von dichtem Wimpernkranz umrankt, charmant und kokett, lerneifrig – und vor allem Anderen – willig gegenüber meiner Mutter. Emelie … sagte ich mir … fang den Tag nicht ausgerechnet SO an. Du weißt: diese Dinge, lassen sich nicht mehr ändern.

Zügig schlüpfte ich in die neugekauften Stiefel von Amazon und beschloss, sie als Highlight des heutigen Tags zu betrachten, denn ein anderes würde es unter Garantie nicht geben. Doch vorher noch mein karges Frühstück! Aus Ekel vor meiner „Unordentlichkeit“ bestand meine Mom drauf, mir – lächerlichweise – immer noch – das Essen zu richten. Da stand sie also, wie allmorgendlich, im formlosen Hängekleid mit grellem Muster. Streitlüstern starrte sie mich aus ihren graugrünen Augen an, während ich die Treppe hinabstieg. Wie immer wirkte sie frisch und ausgeruht. Egal, wie spät es auch wurde – stets war sie vor mir wach. Und fit. Lustlos gähnend setzte ich mich zum schmucklosen Esstisch und biss ein Stück vom Butterbrot. Ich musste schon froh sein, kein Haar drauf zu finden. Ab und an fanden sich nämlich Haare im Essen und wenn es ganz schlimm kam, braune winzige Käfer in der Gemüsesuppe. Mein Frühstücksgetränk – entweder war es lauwarm, oder aber zu heiß. Meine Mom war bestimmt die liebloseste Köchin der Welt! Haushaltsführung gehörte nicht zu den Dingen, die sie liebte, trotzdem war sie seit der Geburt meiner Schwester nur Hausfrau und das war die alleinige Schuld meines Dads, der sie für die Büro- und Telefonarbeit im eigenen Betrieb brauchte. Ich wusste, dass Mom meinem Dad nie vergeben würde, dass er sie damit aus ihrem Berufsleben gerissen und aller Karrierechancen beraubt hatte. Sie blieb daheim, half im Laden, erfüllte ihre Pflicht, kochte, putzte und wusch – mit tiefem Groll im Herzen und wachsendem Widerwillen gegen meinen Vater. „Hast du alles beisammen?“ fragte sie streng.„Klaro!“ „Na so klar ist das wieder nicht. Gestern hast du auch dein Handy im Vorzimmer liegen lassen.“ Ich seufzte. Es stimmte. Ich war einer der vergesslichsten Menschen der Welt, da ein Großteil meines Denkens permanent in der Fantasiewelt weilte. So schrecklich meine Mutter auch war, um ihre Fähigkeit mit beiden Beinen im Leben zu stehen, immer positiv und voller Elan, beneidete ich sie. „Vergiss nicht, gleich heimzukommen, sonst fahren wir ohne dich los!“ Eine bisslose Drohung! Mom wusste genau, dass ich mir nichts sehnlichster wünschte, als einmal alleine zu Hause sein zu können, statt mit ihr und Dad diese langweiligen Wochenendausflüge ertragen zu müssen.„Nein, Mutti! Ich vergesse nicht. Ich bin pünktlich daheim!“

Den zu heißen Kakao ließ ich stehen; sollte sie sich doch selbst den Mund daran verbrennen! Vom Frühstücksbrot nahm ich schnell noch einen Bissen, denn die nötige Zeit mir unterwegs einen Imbiss zu gönnen, hatte ich leider nicht mehr. Ich war, wie immer, knapp am Zeitlimit! Ich griff mir die neue Handtasche, die mit ihrem satten Braun zu den Stiefeln passte und rief „Ciao Mutti, bis später!“ Gehetzt rannte ich der Straßenbahn hinterher, mich selbst – wieder einmal – verfluchend und verachtend.

Doch das Glück war mir hold. Ich erreichte den Zug und fand auf Anhieb einen Sitzplatz. Mir gegenüber saß ein Mann, der mich angrinste und ungeniert meine Beine fixierte. Mein Groll übertrug sich auf ihn und ich wandte mich bewusst brüskierend und verächtlich grinsend von ihm ab.Alter Trottel. Was der sich einbildet. So ein Sackgesicht! Gleich drauf aber war der Mann auch schon Legende, denn nun mußte ich auf die Strasse achten, durch die unser Zug fuhr. Gleich würde es so weit sein und ich würde an einem besonderen Haus vorbeifahren; dem Haus, in dem seinerzeit meine erste und wahre Liebe gewohnt hatte: Manuel. Seit vielen Jahren trug ich diese Liebe im Herzen, obwohl ich mit Sicherheit wusste, dass es eine unerwiderte Liebe war und blieb.Manuel war mittelgroß und blond, mit stufig geschnittenem Haar. Sein männliches Gesicht wurde von einem Paar stahlblauer lebendiger Augen dominiert. Er war begeisterter Sportler, athletisch gebaut und Dauergast im Fit-inn.

Er war plötzlich eines Tages an unserem Gymnasium erschienen, zugezogen aus einem anderen Viertel der Stadt. Nie würde ich vergessen, wie cool es war, als ich ihn das erste Mal sah! Er hatte einfach dagestanden, den Kopf erhoben, die Hände lässig hinterm Rücken gefaltet und hatte der uns allen gelassen zugenickt – ohne auch nur einen Funken Unsicherheit in der verschlossenen Miene. Das ist er! hatte ich gedacht. Sieben lange Jahre waren seither vergangen. Sieben Jahre Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Und die Sehnsucht, nach etwas, von dem man weiß, dass man es nie bekommen wird! Nur in meinen Träumen – sowohl denen am Tag als auch in denen vor dem Einschlafen, war er meins und liebte mich und wir waren zusammen.Langsam fuhr die Straßenbahn an dem Haus vorbei, mit dem mich so viele Erinnerungen …………

 

SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE!)

BAND II – ERLEBEN

 

Ich saß also hier, an Berylls schwerem Mahagonischreibtisch mit den vielen Laden und Messinggriffen, den Blick auf den verschneiten Park der Lennartvilla gerichtet und fühlte mich dabei ein wenig wie Kaiserin Sisi in Schönbrunn. Mein Tagebuch, ein Geschenk Berylls, lag aufgeklappt vor mir, den dazugehörigen Füllhalter hielt ich geöffnet in der Rechten und doch konnte ich mich nicht dazu überwinden, endlich mit Schreiben anzufangen. Mir war der Sinn von Tagebucheintragungen im Laufe der Zeit abhanden gekommen, genauso wie die Lust zu schreiben, denn es gab inzwischen fast nichts mehr, was ich vor Beryll und den Lennarts geheim halten wollte …

Drunten im Park alberten Ricci und Stephen herum und lieferten sich eine Schneeballschlacht. Ricci bewegte sich so leicht und beschwingt wie ein Teenager. Sie – eine fünfhundert Jahre alte kluge Vampirin, mit einem Herzen, so groß wie ein Bergwerk. Nur hier – im familieneigenen Anwesen – konnten die Vampire sich ganz so geben und bewegen, wie sie waren, denn der große Besitz lag glücklicherweise abgeschottet und war von hohen Steinmauern umfriedet. Ungeniert sprang Ricci daher mit nur einem Sprung vom Boden hinauf in die Wipfel der alten Tanne, von wo aus sie ihren Ehemann mit Schneebällen bombardieren konnte. Ihr übermütiges Kreischen und Stephens dunkle Stimme drangen durch die alten Glasscheiben der Villa bis an mein Ohr. Wieder hüpfte mein Herz vor Dankbarkeit und ich verspürte dieselben Glücksgefühle wie heute Morgen, als mich geschäftiges Lärmen aus der Küche weckte. Mein Körper war immer noch durchdrungen von der Lust der letzten Nacht. Zum ersten Mal hatte Beryll seinem Impuls nachgegeben und Dinge mit mir angestellt, von denen er ein Vampirleben lang – und davor als Mensch – bisher nur geträumt hatte.Die Seidentücher, die vom königlichen Betthimmel herabbaumelten, sprachen eine eindeutige Sprache. Seit wir ein Paar waren, hatte ich immer schon von unserem ersten Zusammensein in diesem uralten Bett geträumt. Ein Umstand, der Beryll dazu veranlasste, es zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Diese Premiere, wie Beryll es nannte, ermöglichte mir einen tiefen Einblick in meine eigene Seele. Vieles, was ich bisher falsch deutete, ergab plötzlich einen Sinn. Auch meine frühen Gefühle für Manuel sah ich schlagartig in anderem Licht.

Immer schon war da etwas Unerklärbares in mir gewesen, dunkel drängend und verlangend und es rief nach Erfüllung – ohne jedoch seine Entsprechung zu finden.           Bis gestern… Die Vorstellung von Berylls nacktem Körper im Mondschein überrollte mich wie eine Welle; instinktiv fasste ich an mein Kleid, öffnete die Knopfleiste und betrachtete meine Brüste. Nicht etwa um mit mir selbst zu spielen – in diesem Punkt hielt ich mich strikt an die Vorgaben der Vampire und sparte meine Lust für das Zusammensein mit meinem Gefährten – nein – ich verspürte nur das starke Bedürfnis die Male zu sehen, die die weiße Liebesrose hinterlassen hatte. Liebevoll zärtlich, aber bestimmt, hatte Beryll meine Hände in die Schlingen der Seidentücher gelegt und meine Haut unter den Dornen der Rose erschauern lassen. Erst sanft – später aber immer fester – zeichnete er Kreise auf meinem Körper. Und was sich zuallererst wie zarter Schmerz anspürte, veränderte sich im Laufe des Spiels, das Beryll mit meiner Seele spielte, zu tiefgründiger Lust. Erregt betrachtete ich die winzigen Rillen in meiner Haut, die die Dornen hinterlassen hatten. Es waren keine Verletzungen, nein, denn so sah ich sie ganz und gar nicht. Für mich waren sie Beweise für Berylls Liebe und sein Begehren. Nie. Bis in alle Ewigkeit nicht, würde ich von diesem Mann genug haben. Nicht genug von seiner Liebe, seiner Klugheit, seiner Schönheit, seinem Charme, seinem Humor und schon gar nicht von seinem Begehren, das in eine Richtung führte, die ich schlichtweg als „siebenten Himmel“ bezeichnen darf. Vom ersten Tage an war unsere Sexualität besonders gewesen: Beryll gab den Ton an und bestimmte. Ich aber durfte mich als sein Eigentum fühlen, mit dem er tun und lassen konnte, was er wollte. Gestern aber … gestern hatte Beryll meinen Blick in eine neue Richtung gelenkt. In eine Welt, von der ich mehr und mehr würde haben wollen – genau wie Beryll auch.

„Beryll, oh Beryll.“ flüsterte ich sehnsüchtig. Als ich morgens erwachte, war der Platz neben mir leer, denn Beryll war längst unterwegs ins Verlagshaus. Nach so langer Abwesenheit war seine Arbeitslust nicht mehr zu bremsen. Normalerweise saß er mit mir am Frühstückstisch, auch wenn er nichts aß. Ersatzweise flankierten mich heute Noel, Ricci und Anabel, die ein paar Tage frei genommen hatten. Wir hatten eine Menge Spaß. Jede der drei Vampirfrauen nahm an meiner Schwangerschaft Anteil und ich fühlte mich rundum so wohl wie die Eier brütende Henne im Nest. Abends wollten wir wieder alle zusammensitzen, um zu plaudern und um uns durch die Berichte der Lennarts über die Vorkommnisse der letzten Monate ein Bild von der Situation machen zu können.

Ich neigte mich vor, um die beiden im Schnee Tollenden besser zu sehen. Dabei stieß ich ungeschickt an den Becher mit meinem, inzwischen erkalteten, Frühstückskakao. Sofort ergoss die braune Flüssigkeit sich über den ganzen Schreibtisch und spritzte auch über mein Tagebuch. So schnell ich konnte, eilte ich ins angrenzende Bad, wo ich nach einem Handtuch griff und zurück zum Schreibtisch stürzte, um den Schaden zu minimieren. Ich tupfte und wischte und bald war das Ärgste behoben, doch obwohl der Ledereinband unbeschadet blieb, waren die Papierseiten verdorben… Unglücklich über das Malheur legte ich das durchnässte Buch auf die moderne Zentralheizung, die leise vor sich hinsurrte. Einen alten Kasten wie die Lennartvilla in Schuss zu halten, war gar nicht so einfach und kostete Unsummen. Das unerträglich übermütige Pärchen, das immer noch im Park herumtobte, hatte mich am Fenster bemerkt. Sofort johlten sie und hüpften hoch und nieder, um auf sich aufmerksam zu machen. Ich presste mein Gesicht an die Scheibe, schnitt dumme Grimassen und legte meine Zunge ans Glas. „Grausig, grausig.“ schrien sie und hüpften noch höher. Da bückte Stephen sich plötzlich und ergriff eine handvoll Schnee, die er in Riccis Genick drückte … die wilde Jagd begann von vorne.

Es war Zeit nach unten zu gehen, um mir einen kleinen Imbiss zu richten. Als ich langsam treppabwärts schlenderte – unsere Räume waren im Halbstock angesiedelt – fiel mir im Vorübergehen auf, dass in Benjamins Büro schon Licht brannte, obwohl eigentlich noch alle – außer den Frauen – unterwegs waren. „Ich bin’s Josie. Ich hatte keine Lust, mit zum STAR zu fahren. Wie du weißt, ist das Zeitungsgeschäft nicht wirklich meins. Auch wenn’s Spaß macht, die Kultur- und Sportseiten zu organisieren – lieber bin ich immer noch in Florenz. Hast du ein wenig Zeit…?“ Also Eric.

Er saß vor dem Schreibtisch, die Füße lässig hochgelegt, am Bildschirm vor ihm sah man Bilder von Kunstwerken. Mit sauertöpfischem Gesichtsausdruck schaute er mir erwartungsvoll entgegen. „Was gibt’s denn?“ fragte ich, verunsichert. Eric, der immerstarke, immer gut gelaunte Thor? Was hatte er denn ausgerechnet mit mir zu reden? Ungebrochen er selbst, fiel Eric sofort mit der Türe ins Haus, als er fragte:“ Nun, wie gefiel dir mein Traum?“

Im ersten Moment hatte ich keine Ahnung, wovon er sprach – dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Ach, du warst das? Schurke.“ rief ich aus. „Du hast mich erschreckt. Was meinst du, wie lange ich brauchte, um zu begreifen, dass es nur ein Traum war?“ Gepresst knurrte Eric: „Sorry. Hoffe er hat Romina genauso aufgeschreckt wie dich und sie kontaktiert ihre beste Freundin.“ „Ihr hast du ihn also auch geschickt…“ sagte ich nachdenklich. „Was geht eigentlich ab mit euch beiden? Ich spürte schon gestern am Bahnhof was …“ Eric zog die Beine vom Schreibtisch, wandte sich mir zu und wurde noch eine Spur ernster. „Mich hat’s erwischt. Nach so unendlich langer Zeit fühle ich mein Herz wieder und weiß, dass ich immer noch lieben kann und vor allem – lieben möchte.“ Während er sprach, verfiel sein attraktives Gesicht zusehends. Ich begriff gar nichts mehr. „Klar, begreifst du’s nicht. Du bist ja auch kein Vampir. Romina – sie ist ein wundervolles Mädchen, aber so jung. Darf ich sie an mich binden, ihr diese Vampirsache zumuten? Den Verlust Erada’s zu überwinden, kostete mich Jahrhunderte, Josie. Wie soll ich jetzt mit einer neuen Liebe umgehen?“ Eric senkte sein Gesicht in die Handflächen. Ratlos starrte ich auf den unglücklichen Blondschopf – und schwieg. „Du kennst Romina seit – na praktisch, schon immer. Was rätst du mir? Soll ich es wagen und vielleicht scheitern, oder mir das Herz selbst herausreißen und sie nie wieder sehen? Ich bin furchtbar verliebt und es tut verdammt weh … hier.“ Unwillkürlich fasst er sich an die Höhe seines seltsamen Herzens. Sein um Hilfe flehender Blick durchdrang mich. Ich ließ mich aufs Sofa fallen. „Komm her.“ bat ich Eric. Fromm wie ein Lamm setzte der große Mann sich willig neben mich. Dabei glitt sein Blick über mich und forschte in meinem Gesicht. „Du scannst mich, nicht wahr?“ fragte ich ahnungsvoll.

Klarerweise würde Eric auch die Erinnerungen an gestern Nacht in mir finden. „Ja, und?“ Sofort reagierte Eric auf meine Gedanken. „Wenn es euch beiden so gefällt, weshalb denn nicht? Lust hat viele Gesichter und wenn zwei sich lieben und dasselbe wollen, dann ist das doch wundervoll.“ Ich spürte noch etwas, das er mir sagen wollte, aber nicht wagte. Intuitiv ahnte ich, worum es sich handelte. Es ging irgendwie um Körperlichkeit und vampirischer Keuschheit. „Richtig. Josie du bist gut. Sogar sehr gut. Es stimmt also tatsächlich, dass du sensitive Anlagen hast, wie Vater und Mutter behaupten. Ja, ich habe in der Tat ein Problem.Und zwar eins, das ich NICHT hatte, als ich seinerzeit um Erada warb. Bei mir liegt die Sache nicht so einfach wie bei Beryll, nämlich dass ich schon Jahrhunderte vorher mit Sicherheit wusste, wer meine Frau werden würde. Beryll brauchte nie zu befürchten, dass du nein sagen könntest. Romina aber ist nicht wie du …und sie ist ahnungslos. Die Abende, an denen wir zusammen aus waren, waren wundervoll. Sie ist der witzigste Mensch, den ich kenne, unkompliziert und treu und ich weiß aus ihren Gedanken, dass auch sie in mich komplett verknallt ist und sich nichts so sehr wünscht, wie körperlich mit mir zusammen zu sein. Da ich mich aber stets wie ein Gentleman benahm und ihr nie zu nahe trat, wälzt sie nun trübe Gedanken darüber, dass ich nur freundschaftlich für sie empfinde oder – noch schlimmer – sie denkt, ich wäre wahrscheinlich schwul. Drum sitz ich hier rum, suche lustlos nach Bildern und überlege ernsthaft nach Florenz zu flüchten. In meiner Not sandte ich euch beiden diesen Traum. Er war eine Falle, in die sie hoffentlich stolpert. Bist du dabei? Deine Aufgabe ist es, mit Romina ein Gespräch über Vampire zu führen. Finde heraus – als beste Freundin kannst du das – wie sie zu Blutsaugern und ewigem Leben steht. Konstruiere eine Geschichte, sei phantasievoll. Geht das?“ Ich versuchte mir vorzustellen, wie ich Romina in die Falle locken könnte. Verschwörerisch blickten Eric und ich einander in die Augen. Ich nickte langsam. Ich war überzeugt, ich könnte es schaffen. Im selben Augenblick klingelte da das Telefon. Romina?

Eric dachte wohl dasselbe, denn er sprang aufgeregt auf und hob ab. Es war aber nur Vanessa, die sich erkundigte, ob es mir gut ginge und ob ich zum nächsten Mädelabend kommen würde… Eric der – mit Verzögerung – über meine Gedanken, mithörte, was Vanessa sagte, schnippte mit den Fingern und wies mit dem Zeigefinger zu Boden. Ich begriff nicht gleich.„Mädelabend hier.“ zischte er leise. Eine glorreiche Idee, Eric … jubelte ich innerlich. Sofort unterbreitete ich Vanessa den Vorschlag. Begeistert nahm sie an. Dem Reiz der k+k Villa konnte einfach niemand widerstehen. Wir vereinbarten einen fixen Termin, jenseits meines ersten Spitalbesuchs. In Gedanken sah ich mich schon den Freundinnen das erste Ultraschallbild meines Babys unter die Nasen halten.

Im Jagdzimmer war es gemütlich warm. Ein Umstand, den ich durchaus genoss, der aber den Vampiren nichts bedeutete. Ein Vampir sei nicht von Außentemperaturen abhängig, sagt Benjamin. Selbst an den Polen könnten Vampire immer noch behaglich leben – ausreichende Nahrungsquellen vorausgesetzt. Allein der Gedanke brachte mich zum Frösteln. Soweit ich wusste, lebte eine nicht unbeträchtliche Anzahl Aldori in Alaska und nahe beider Pole. Ich war froh, mich in keinen dieser Vampire verliebt zu haben, sondern in einen in der gemäßigten Zone lebenden – wie Beryll. „Na, da bin ich aber froh, wenn dich das froh macht.“ lachte mein zufriedener Vampir, an dessen Schulter ich lehnte und ins Feuer starrte. Wir hatten uns auf Lammfellen vor dem Kamin platziert. So friedlich und behaglich unsere kleine Versammlung auch wirken mochte – der Grund weshalb wir hier lagerten, war kein schöner. Hätte ich mich nicht im Schoße der Lennarts so geborgen gefühlt und mir öfter erlaubt, die Erinnerung an Camp-hos zuzulassen – wäre ich verzweifelt.

Peter hatte ein paar Tage Urlaub angehängt und war bei uns geblieben.Ich war dankbar, nicht gleich gestern, bei unserer Heimkehr, die furchtbaren Dinge zu hören, die Benjamin uns kundtat. Das Schicksal hatte mir gnädig ein paar unbesorgt selige Stunden geschenkt. „Es begann damit, dass wir an einem langweiligen Wintertag, kurz nach Neujahr vor dem TV-Gerät lungerten, als uns plötzlich eine Nachrichtensondersendung hellhörig stimmte. Weltweit machte nämlich ein Youtubeclip die Runde, in dem ein Mann behauptete, Vampir zu sein und die Welt vor Vampiren warnen wollte… Eric googelte sofort nach dem Clip und was wir fanden, ließ uns die Haare zu Berge stehen.Der Clip zeigt einen bleichen, wild dreinblickenden Upe-chi – jedenfalls gehen wir davon aus, dass es sich um keinen Aldoro handelt – der sich an Gesicht, Hals, Brust und Armen tiefe Schnitte zufügt, wobei kaum Blut zutage tritt.

Kurz drauf konnte man in Großaufnahme sehen, wie die Wunden sich von selbst innerhalb von Sekunden wieder schlossen. Dann warnte er die Welt – in schlechtestem Englisch, gezischt und gefaucht – vor Vampiren, die speziell im Wiener Raum leben sollen. Zuletzt lief eine Laufschrift quer über den Clip, in dem er die deutlichen Vampirzeichen aufzählt, also Blässe, keine Nahrungsaufnahme, unnatürliche Geschwindigkeit, kein Alterungsprozess. Furchtbar.“

Benjamin schüttelte den Kopf. Noch nie hatte ich ihn so besorgt erlebt. „Du kannst dir denken, Josie, dass der Schock unter den Aldori größer war, als der der Menschen, die den Clip sahen. Die meisten Menschen hielten ihn für einen gut animierten Filmtrailer. Wir aber wissen, welche Bedeutung der Clip hat. Erst als – Tage später – die ersten Toten rings um Wien gefunden wurden, setzte der Denkprozess ein. Vollkommen blutleer ausgesaugte Tote mit Bissmerkmalen am Hals. Woran sonst sollten sie dabei denken, wenn nicht an Vampire? Die Morde häuften sich und was zuerst aussah, als wäre es auf Mitteleuropa beschränkt, weitete sich allmählich aus. Irgendwann gab die WHO Alarm. Sie bezeichneten die rätselhaften Tode zuerst als Seuche, später einigten sich Experten drauf, die Todesfälle einem – noch – unbekannten Tier zuzuordnen. Seither gibt es täglich Berichte in den Lokalnachrichten über die Auswirkungen der Angriffe.

Ricci hat nun alle Hände voll zu tun, die Gedanken der Menschen auszuforschen. Unsere Angst? Aufgrund der im Clip beschriebenen Merkmale vom eigenen Personal als Vampir identifiziert zu werden, ist groß.“ Benjamin schwieg und warf neue Scheite ins Feuer. Schlagartig waren alle Blicke auf mich gerichtet. Beryll atmete schwer. „Wusstest du von alldem nichts?“ fragte ich – plötzlich misstrauisch geworden.Peter antwortete anstelle von Beryll. Seine Stimme klang ….

 

 

SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE!)

BAND III – ERLANGEN

Meine liebe Celine!

Bitte wundere dich nicht, heute einen BRIEF von mir zu bekommen und denke nicht, die Sonne Boliviens hätte mich komplett verrückt gemacht.

Es hat einen Grund, nein eigentlich zwei, weshalb ich dir nicht, wie sonst immer, per mail schreibe.

Erstens ist es so, dass unser Internet hier so unzuverlässig ist, dass es mitten im Schreiben einer Email ausfällt und stundenlang weg bleibt.

Deshalb schreib ich seit Langem schon immer offline und füge erst dann alles ein, wenn wir – oh Wunder –wieder online sind.

Der zweite Grund ist ein alter runzeliger Bolivianer, den ich unlängst bei einem Einkaufsbummel in Cobija gebeugt über einem wackeligen Tischchen sitzen und auf schäbigem Papier, zittrig einen Brief schreiben sah. Das erinnerte mich an die Zeit unserer Großeltern, die noch kein Internet, kein sms und kein whats app kannten und sich mit Briefen begnügen mussten.

Nun möchte ich es ausprobieren:

Hat so ein Brief mehr Reiz als eine Email oder sms schreiben? Sag du es mir.

Denn DU wirst Diejenige sein, die diese Zeilen bald, verwundert, aus dem Postkasten holen wird…. 

Ich habe große Sehnsucht nach dir und überhaupt nach zu Hause. Dumm, oder?

Es ist hier wunderschön und ich möchte eigentlich nie wieder weg.

Unser Haus kennst du ja bereits von meinen Filmen und Fotos und weißt also, wie gemütlich und luxuriös es hier ist.

Die Einwohner hier sind total nett, das kann man nicht beschreiben, du müsstest hierher kommen und spüren, wie einfach und trotzdem fröhlich die meisten Menschen hier sind.

Gerade kommt mir die Idee, während ich das hier niederschreibe? Wäre es nicht klug, wenn ich mir von Beryll zum Geburtstag wünschen würde, dass er dich hierher einlädt?

Du kennst die Zwillinge nicht und noch nicht einmal Arrow, das kann doch nicht sein.

Und – außerdem – Romina ist ja genauso viel deine Freundin, wie meine und ihr Baby kennst du auch nicht.

Nico ist so ein lustiges Kind, du musst ihn unbedingt bald kennen lernen.

Ich werde mich gleich nachher mit Romina besprechen. Wenn wir beide gemeinsam unsere Männer bedrängen, können sie doch nur JA sagen, oder?

Hoffentlich sagst DU aber auch ja und hast Lust meinen Kindergarten kennen zu lernen, bei uns ist halt jetzt alles babydominiert, daran muss man sich erst gewöhnen.

Ich habe für Arrow eine Nanny, sie heißt Aquea und ist eine Quechua Indianerin. Die Nanny von Nico heißt Sunna und ist Aqueas Schwester.

Aber stell dir jetzt, bitte, um Himmelswillen nichts Tolles vor. Schon ihre Großeltern stammen aus der Stadt und sie leben dort wie jeder andere Weiße auch.

Aber sie kennt die Legenden ihrer Ahnen und

die erzählt sie Arrow manchmal vor dem Einschlafen, auch wenn er kein Wort der quechuanischen Sprache versteht.

Du wirst dich fragen, weshalb NANNY?

Nun, die Zwillinge sind ganz schön anstrengend und wenn ich nicht Ricci hätte, die mir hilft, würde ich vor lauter Stress verrotten. Besonders Blossom ist überhaupt nicht wie ihr Name sagt. Sie ist keine zarte Blüte, sondern ein echter Rabenbraten. Im Vergleich zu Jade, die viel stiller ist und brav, ist sie ein Teufel.

Beryll hat sich schon damit abgefunden, dass es ZWEI Mädchen geworden sind.

Weißt du, ich habe nie daran geglaubt, dass es ein Bub und ein Mädchen werden. Doch da alle so sehr davon überzeugt waren, haben sie mich überstimmt und zuletzt war ich bereit auch an einen Jungen zu glauben.

Als dann Jade herauskam und ein Mädchen war, war ICH happy – nicht aber Beryll.

Nur Ricci, die auch bei der Geburt dabei war, ist neutral geblieben. Sie war heilfroh, dass Alles so gut gegangen ist. Noch nie habe ich sie jemals so ernsthaft und konzentriert gesehen.

Celine, ich bin so froh, die Mädchen hier in Bolivien geboren zu haben, wo man noch nicht mal an einen Kaiserschnitt DENKT.

Bei uns daheim und überhaupt in Europa und Amerika kriegt doch jetzt schon jede gesunde Frau einen Kaiserschnitt verpasst.

Dr. Jorges war auch bei der Geburt dabei und, obwohl es ganz ANDERS war, Zwillinge zur Welt zu bringen, war es doch beeindruckend.

Doch ich rede nur von mir und dabei wollte ich dir doch Trost spenden, weil es mit Alex so gründlich schief gegangen ist bei dir. Ist es schlimm, wieder Single zu sein? Bestimmt, was frage ich denn überhaupt? Ich hoffe du bist nicht allzu böse, weil ich mich so lange nicht meldete.

Aber auf einmal DREI Kinder zu haben, ist nicht so einfach, wie man sich das vorher ausdenkt.

Allerdings auch nicht so SCHLIMM, wie ich glaubte.

Ach Celine, es gäbe so viel, was ich dir so gerne erzählen möchte und doch kann ich es nicht tun. Erstens geht es im Brief nicht und überhaupt…..*seufz*

Ich wollte du wärst hier.

Hier gibt es eine Menge cooler junger, naja sagen wir besser eine Menge JUNGGEBLIEBENER Männer, die so charmant und unwiderstehlich sind wie mein Beryll (na nicht ganz so  und ich würde mir schon den Einen oder Anderen für dich passend denken)

Gleich heute werde ich Romina über meinen Plan informieren, dich auf ein paar Wochen hierher zu lotsen. Schau du bitte, dass du so lange wie nur möglich frei bekommst, falls du überhaupt WILLST …willst du??

Sag ja … Am Besten du fliegst im Winter zu uns, dann wirst du am meisten staunen, wie es ist in einem Land zu leben, wo es fast immer dieselbe Jahreszeit gibt.

Ach ich stelle es mir herrlich vor, dich hier zu haben.

Ich muss dir doch jetzt schon von zwei Geburten berichten. Das was ich dir geschrieben habe ist nur ein Bruchteil dessen, wie es WIRKLICH war. Das geht nur mündlich, glaub mir.

Habe ich dir eigentlich geschrieben oder habe ich nur geglaubt, es dir geschrieben zu haben? Weißt du was das erste war, woran ich dachte, als Dr. Jorges mir die kleine Jade, die als zweite gekommen ist, in den Arm legte? Ich dachte: Gott sei Dank, kein Forrest.

Das war natürlich ein ziemlich fieser Gedanke und wenn Beryll ihn gehört hätte, hätte er mich gerügt.

Ich muss lachen, kann dir aber nicht sagen, weswegen.

Auf jeden Fall wünscht Beryll sich noch weitere Kinder und so Gott will, werden wir auch noch welche bekommen und hoffentlich dann auch seinen Forrest.

Es gäbe noch sooo viel was ich dir zu berichten hätte, du hast ja keine Ahnung, was im letzten halben Jahr alles in meinem Leben passiert ist.

Ich kann nur immer und immer wieder betonen, wie gerne ich dir ALLES erzählen würde.

Aber noch lieber ist mir, dich bald einmal wieder in die Arme schließen zu dürfen.

Celine, ich muss jetzt leider gleich schließen, Blossom schreit schon wieder und Ricci ist unten bei den Pferden. Wenn du kommst, musst du auch unbedingt reiten lernen.

Ich kann es schon recht gut, Ricci ist ein tolle Reitlehrerin und hier in Bolivien brauchst du keinen Reiterpass oder sonstigen Unsinn, du kannst einfach los reiten und wenn du den Leuten über deren Land du reitest ein paar Bobs schenkst, dann freuen sie sich und lassen dich in Ruhe. Nicht wie bei uns in Österreich, wo Alles reglementiert ist und beschränkt.

Gerne würde ich mir wünschen, für IMMER hier zu bleiben, doch ich wünsche es mir lieber nicht, denn das wäre ein Wunsch, der meine Zukunft mehr einschränkt, als du dir vorstellen kannst. Ich muss schon wieder lachen und kann dir wieder nicht sagen, weshalb…. 

Mein Schatz, bitte organisiere deinen Besuch bei mir. damit auch sicher alles klappt, wenn Beryll und Eric ja sagen.

Anbei ein paar Fotos von den Zwillingen, eins von Arrow und Beryll (die zwei sind jetzt ganz dick miteinander, seit die Mädchen auf der Welt sind) und von Rominas Hochzeit. Schade, dass du nicht hier warst. So eine katholische Hochzeit in einem streng katholischen Land ist schon etwas Beeindruckendes. *kotz* (witzig, nun schreibe ich so, als würden wir sms-en, ja die Macht der Gewohnheit. Dauernd möchte ich ein Smiley machen und kann ihn doch nicht gescheit zeichnen.)

Jedenfalls war es ein himmelschreiender Rummel. Hätte man die Einheimischen nicht gebremst, wäre das Feiern noch am nächsten Tag weitergegangen.

Du kennst ja deine alte puritanische Freundin „Emelie“ (Der Name klingt wie der Name einer Fremden für mich)

Ich küsse und umarme dich und wenn es dir gefällt, schreibe ich dir jetzt öfters Briefe.

Bitte hebe die Briefmarke für mich auf.

Ich habe eine besonders Schöne ausgewählt, wer weiß vielleicht will ich in der Ewigkeit, ich meine in der ZUKUNFT  auch einmal Briefmarken sammeln und dann hab ich schon ein paar schöne, mit denen ich beginnen kann.

Für immer deine Freundin

Emelie … oops…alte Gewohnheit.

Nö. Scherz … Josie

 

Santa Ana del Yacuma Sommer 2014    P.S. Anbei eine alte Postkarte von Santa Ana, der großen Stadt in unserer Nähe

 

 

SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE!)

BAND IV – ERREICHEN

 

Plötzlich war Rachel wieder da! Fast so, als hätte sie unsere Hazienda nur für einen kurzen Ausflug verlassen, kam sie zur Toreinfahrt herein und begrüßte Romina und mich auf eine Art und Weise, die mir die Haare zu Berge stehen ließ! „Hi, Mädels! Na, habt ihr mich vermisst? “ Ihre unverschämten Worte und, wahrscheinlich auch Gedanken, riefen blitzartig Anabel auf den Plan. Wie die Rachegöttin persönlich stand sie am Eingang unserer Hazienda, anscheinend fest dazu entschlossen, Rachel nicht ins Haus zu lassen. „Rachel Goldmann!“ zeterte sie los. „Wenn du denkst, du könntest ungestraft meinem Neffen das Herz brechen, die ganze Familie dadurch in Seelennot stürzen und dann einfach wieder vor der Türe erscheinen, als wäre nichts passiert, hast du dich aber kräftig getäuscht!“ Erschrocken prallte Rachel zurück. Ihre Füße, die in zierlichen altrömischen Sandalen steckten, bohrten sich in den Kies der Auffahrt, so abrupt blieb sie stehen!

„Wer sind Sie?“ zischte sie aufgebracht. Als perfekt ausgebildete Soldatin, einer perfekt ausgebildeten Armee, konnte Rachel, es sich nicht leisten, Feigheit vor dem Feind zu zeigen! Leider vergaß sie über dieser eingefleischten Gewohnheit, WEM sie in diesem Augenblick gegenüber stand! Einer uralten wütenden Telepathin, die, noch vor Rachel selbst, jede ihrer Gefühlsregungen erkennen konnte! „Wer ich bin, möchten Sie wissen? Ich bin Anabel Lennart und ich trage diesen Namen mit dem Stolz, den Sie jedenfalls nicht empfanden, als Sie ablehnten, meinen Neffen zu heiraten! Doch die Tatsache, dass sie sich bei Nacht und Nebel wie ein Feigling davonschlichen, disqualifiziert sie ohnedies so schwer, dass sie ihn auch niemals tragen werden!“ Ich erstarrte. Noch nie hatte ich Anabel so böse und unerbittlich erlebt. Noch nie eine derart hochmütige Brandrede aus dem Mund eines Familienmitgliedes vernommen! Und das, obwohl ich seit nunmehr drei Jahren mit den Lennarts lebte, die alle sehr hochmütig und arrogant waren. „Josephine, wir sind nicht irgendwer!“ fuhr mich Anabel wütend an. „Andere Kaliber von Mensch, als sie, haben sich schon gewünscht, Mitglied in unserer Familie zu werden und es nicht geschafft. Wie kann sie sich anmaßen, zu glauben, sie könne einfach hier hereinmarschieren, um damit Paolos Gefühlschaos zu vergrößern!“ Rachel ging nicht auf Anabels Geifern ein, sondern schritt entschlossen weiter auf die Eingangstüre zu, offenbar bereit, sich mit der viel stärkeren Vampirin anzulegen.“Versuchs erst gar nicht, du verlierst und ich zerteile dich wie ein Hühnchen, wenn du mich angreifst! An mir kommt kein einzelner Mensch vorbei, wenn ich es nicht möchte. Und ich möchte dich nun mal nicht im Haus haben!“ Anabel grinste boshaft und stemmte sich demonstrativ mit Händen und Füssen in den Türrahmen. „Zu dir will ich ja auch gar nicht, Anabel!“ lenkte Rachel ein und blieb stehen. „Wenn du mich nicht reinlassen willst, dann lass doch einfach Paolo zu mir herauskommen. Bitte, Josie, könntest du vielleicht nach oben laufen und Paolo sagen, dass ich hier bin. Ich nehme an, er schläft noch, sonst hätte er mich ja gehört!“ Rachel wirkte verwirrt. Bedauernd zuckte ich die Schultern. „Paolo ist nicht hier, Rachel. Keiner der Männer ist da. Sie sind alle…!“ Ehe ich mich versah, hatte Anabel ihren Platz unter der Eingangstüre verlassen, stand neben mir und hielt mir den Mund zu. „Verräter der Familie erfahren bei uns nur das Allernötigste.“ belehrte sie mich streng. „Schon gut, Josie! Danke für deinen guten Willen!“ wandte Rachel sich an mich, Anabel ignorierend: „Weißt du, wann er wieder kommt? Oder ist auch das ein Geheimnis?“ Instinktiv antwortete ich im Sinne der Familie Lennart und zwar, noch ehe Anabel einen Grund fand, mich zu bremsen: „Stimmt, Rachel! Auch das ist ein Geheimnis und wir können es tatsächlich keinem außerhalb der Familie sagen. Und – so leid es mir tut, du bist außerhalb, gleichgültig, wie du selbst das siehst! Der Einzige, der dich zurück in die Familie holen könnte, ist Paolo und er ist nicht hier und wir wissen nicht, wie er drüber denkt und was und wie er jetzt entscheiden würde!“ Noch war ich mir nicht sicher, wie ich selbst zu Rachel, ihrem unüberlegten Abtauchen und ihrer unerwarteten Wiederkehr stand. Obwohl sie mir leid tat: ratlos, schicksalsergeben und dennoch tapfer und aufrecht, konnte ich mir meine negativen Empfindungen nicht verkneifen. Irgendwo da draußen war Paolo, der mit seinem Schmerz über Rachels fluchtartiges Verschwinden fertig werden musste. Vielleicht würde er genau deshalb unvorsichtig und leichtfertig handeln, wer konnte das schon wissen? Liebesschmerz ist – wie Eifersucht – einer der furchtbarsten Seelenzustände, die es auf Erden gibt und wer ihn je erlebte, hat Mitleid, mit dem, der ihn gerade erleiden muss!Und Rachel stand da, strahlend wie der junge Morgen und tat, als käme sie geradewegs aus dem Solarium oder von einem netten Besuch bei Verwandten. „Kommt! Los!“ zischte Anabel kalt. „Rachel, leb wohl!“ Sie packte mich energisch am Ärmel und zog mich mit sich ins Haus. Es war nutzlos, einer Vampirfrau Widerstand zu leisten; sie ist stark wie fünf erwachsene Menschenmänner! Romina folgte schweigend. Seit sie Vampir war, fiel ihr erstaunlich leicht, Härte zu demonstrieren. Ich nehme an, das kommt davon, dass sie die Gedanken lesen und sich nicht, wie ich, auf Sprache, Mimik und Gestik verlassen muss! Alles drei, Komponenten, die leicht verfälscht und vorgetäuscht werden können. Gedanken und Gefühle jedoch sind unmittelbar und echt! Rachel nahm unsere Abfuhr erstaunlich gelassen hin, stieg in ihr Leihauto und fuhr wortlos ab. Grimmig nickte Anabel mehrmals mit dem Kopf und gab einen seltsam brummelnden Ton von sich, der mich sofort an die Mammy aus dem Uraltfilm „Vom Winde verweht“ erinnerte. Und das, obwohl jene Mammy alt, schwarz, hässlich und dick war – Anabel aber weiß, jung an Aussehen, schlank und wunderschön ist! „Du bist grandios Anabel!“ gestand ich neidlos. „Du wärest nicht nur vom Aussehen her die perfekte Hollywooddiva, du könntest sogar spielen!“„Das könnte ich in der Tat! Und nun komm Kathy Scarlett, komm ins Haus!“ rief sie mit tief verstellter, Vater O’Hara nachahmender Stimme. „Verschieben wir’s lieber auf Morgen!“ entgegnete ich übermütig und folgte den lachenden Schwägerinnen…

LEBEN OHNE INHALT

Inzwischen – also eigentlich seit die Männer und Ricci fort waren, ähnelte unser Haus einem Kindergarten mit REIN weiblicher Betreuung. Ich hänselte Romina damit, dass dies genau das war, vor dem sie floh, als sie Eric heiratete. Nun hätte es sie wieder eingeholt. Anderseits war klar, dass die, so verbrachte Zeit für die Kleinen zu einer der schönsten Kindheitserinnerungen zählen würde: hingebungsvolle Mütter, Tanten und Nannys und keinerlei Ablenkung von seitens der Väter oder sonstiger Natur. Für vier – mit Rosita – fünf Kleinkinder, ein wahrhaft paradiesischer Zustand. Für uns Frauen aber war es weit weniger ideal. Nach wie vor blieben die – seinerzeit versprochenen – sms aus und seit Leclercs Besuch wussten wir genauso viel wie zuvor über das was an der „Front“ vor sich ging: nämlich NICHTS! Wäre da nicht unsere unerschütterliche Anabel gewesen, ich glaube Romina und ich hätten viel öfter gejammert und geklagt, als wir es tatsächlich taten! Aber da Anabel diesbezügliche Gedanken stets im Keim zu ersticken pflegte, konnte unser Kummer sich nicht voll entfalten. Verwunderlicherweise war Anabel meinen Schuldgefühlen gegenüber extrem tolerant. Nie machte sie mir einen Vorwurf daraus, dass ich Beryll hatte gehen lassen, obwohl es in meinen Händen gelegen hatte, ihn hier – bei uns – festzuhalten, noch bremste sie mich in meinem Bedauern. In diesem Punkt verhielt sie sich, absolut und bewundernswert neutral und korrekt! Doch wie sehr ich auch stöhnte und bereute, Beryll freigegeben zu haben: Beryll war und blieb weg! Nichtsdestotrotz musste das Leben weitergehen und was auch immer man von uns sagen mochte, über unser Jammern und Murren: wir gaben Tag für Tag, Stunde für Stunde unser Bestes, bekämpften die Sorgen und Ängste und waren den Kleinen und uns einander Trost, Hilfe und ab und zu ein wenig Sonnenschein!

Während wir gemeinsam zur Weide spazierten, um nach meinem Lieblingspferd, Quendi zu sehen, bat ich die zwei Vampirfrauen, mir von Rachels Gedanken zu berichten. Widerwillig reagierten sie auf meine Bitte, was mich zu dem Ausruf veranlasste: “Hey was ist los mit euch, gibt es schon wieder etwas, was ein dummer Mensch wie ich nicht wissen sollte?“ „Hör nicht immer gleich das Gras wachsen, Kindchen. Weißt du eigentlich, dass du regelrechte Minderwertigkeitskomplexe entwickelt hast, was deine Verwandlung betrifft? Da ist nichts, was du nicht wissen darfst, aber da ist eine Menge, die wir dir gerne verheimlichen würden, da wir beide wissen, wie du drauf reagieren wirst!“ Sie schnitt mir eine Grimasse und fügte, mit näselnder Aristokratenstimme hinzu: „ Selbstverständlich nur müt Verstöndnis und Mülde!“ woraufhin beide Vampirfrauen in schallendes Gelächter ausbrachen. Wortlos wandte ich mich ab – auch um mein eigenes Lachen zu verbergen – die beiden hatten mich, wieder einmal, voll durchschaut und auf den Grund meiner Seele gespäht! In meinem tiefsten Innersten empfand ich tatsächlich Mitleid mit Rachel und Verständnis für ihre Zerrissenheit. Man konnte mein früheres Leben und das von Rachel nicht einmal ansatzweise vergleichen! Ich war praktisch aus dem Nichts, aus der Leere gekommen und von Beryll erhoben worden, aber sie – die tapfere Soldatin, kampferprobt und cool – sollte ……

 

 

SORAILS ERBEN (FÜR IMMER UND EWIG, JOSEPHINE!)

BAND V – ERTRAGEN

Lächelnd stand Gerald vor der Türe. Seine strahlend blauen Augen blitzten schalkhaft glücklich. Drei Jahre dachte ich gerührt – so viele Jahre bist du nun schon an meiner Seite; aufrichtig und wahrhaftig in den Pflichten eines Gefährten fürs Leben, jedoch ohne die dazugehörige „Belohnung“… „Ich weiß!“ Gerald nickte ernsthaft, doch die Teufelchen aus seinen Augen wollten nicht weichen. „Genau deshalb musst du jetzt sofort mit mir diese Treppe hinuntergehen, dein „Ja“ hauchen – denn zu mehr wirst du es nicht bringen, wie ich in dir sehe und danach, …tja…“ lässig zuckte er mit den Schultern. „Danach gehörst du dann mir – zur freien Verwendung.“ Erschrocken über seine Formulierung griff ich nach dem Geländer. Da war auch schon Ricci hinter mir. Sie hielt mich genauso eisern fest, wie damals, bei meiner Hochzeit mit Beryll, als…. „Schscht, “ zischte es da auch schon hinter mir, „wehe!“ Ihr puppenhaftes Gesicht erschien für den Bruchteil einer Sekunde vor dem meinen und ihre Augen funkelten drohend. „Vergiss nicht, liebe Mutter meiner Neffen und Nichten – wir hören alles, was du denkst. Und heute wirst du dich – ausnahmsweise einmal – beherrschen und konzentrieren. Dieser Tag nämlich …“ und sie griff in ungewohnt vertraulicher Weise nach Geralds Schulter und drückte ihn. „Dieser Tag gehört nur Gerald. Wenn ein Mann sich das verdient hat, dann er. Der Name meines Bruders wird heute weder fallen, noch gedacht werden. Von keinem von uns!“ Betroffen nickte ich. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Ganze so zu überstehen, als beobachte Beryll mich aus dem Unsichtbaren heraus. „Ja, wir kennen deine diesbezüglichen Fantasien, “ grummelte Ricci, „bisher waren sie auch in Ordnung. Aber mein Bruder hätte sicher nicht gewollt, dass du den von ihm bestimmten Nachfolger in dieser respektlosen Form heiratest.“ „Stimmt, “ ließ sich Gerald vernehmen. „Hör auf deine Schwägerin.“ „Und du? Husch – weg mit dir!“ zischte Ricci, nun meinem Zukünftigen zugewandt. „Du hast hier oben nichts, aber auch gar nichts verloren. Geh hinunter, wo du hingehörst und warte.“ Gehorsam eilte Gerald an uns vorbei und verlor sich in der Halle des Lennarthauses. Gleich drauf erklang die Musik des Orgelspiels, das Anabel für unsere Zeremonie organisiert hatte. Ich hörte hüsteln und das Zurechtrücken von Stühlen und spürte, wie Ricci hinter mir ordnend an meinem Schleier zupfte. Dann flüsterte sie mir aufgeregt ins Ohr: „Ich liebe dich, Schwägerin, vergiss das nie. Ich werde immer auf deiner Seite stehen und immer wollen, dass du glücklich bist und in Sicherheit. Und so, wie die Dinge nun mal stehen, ist das, was da unten auf dich wartet – und sei dir gewiss, wir haben alles hübsch arrangiert – für dich die bestmöglichste Option. Nun sei aber auch du bitte für Gerald die bestmöglichste Option.“ Riccis Engagement für Gerald, den sie nicht einmal wirklich mochte, war rührend. Sofort – wohl weil ihr mein Gedanke peinlich war – schwenkte sie in die Gegenrichtung. „Schon traurig irgendwie, dass du ab heute, – vollkommen vertrottelt – Emelie Mir heißen wirst.“ Sie kicherte und löste damit meine angespannte Verlegenheit. Ihr starker Arm bot mir – wie einst – große Festigkeit und ihr noch stärkerer Wille war Trost meiner von Zweifel geplagten Seele. So schritten wir Hand in Hand hinunter in die Halle, die zu sehen, ich erst jetzt das Privileg haben sollte. Die Schwägerinnen, inklusive Rachel, hatten mich, in ungewohnter Strenge, die letzten Stunden von ihr fern gehalten.

Als ich mich nach der letzten Stufe rechts in Richtung Halle wandte, verschlug es mir die Sprache. Es war, als beträte ich – die fünffache Mutter, die zum zweiten Mal heiratet – endlich den geheimen Pfad, der zum Zauberreich der Fantasie führt! Die weiß-rose-goldenen Vorhänge, die ringsum die Wände bedeckten, die überdimensionalen Blumensträuße aus weißen und zartrosa Rosen, garniert mit vergoldeten Farnen, die mit Goldfäden durchwirkten rosa Hussen auf Stühlen und Bänken, Lüster und Leuchten, die rosarotes Licht auf die sonst so würdevoll dunkle Halle warfen, überwältigten mich und machten mich sprachlos. Die Hochzeitsgäste standen links und rechts in Reihe und nach Geschlechtern getrennt. Die Männer trugen Panamanzüge, dazu die passenden Hüte, während die Frauen Kleider trugen, die direkt aus dem Film „Jenseits von Afrika“ zu stammen schienen – auf ihren Köpfen fantasievolle Hutgebilde. Ricci, du Gute du! schwärmte ich in Gedanken und musste meine Tränen zurückhalten. Wie oft hatte ich davon geträumt, in jene Zeit zurückversetzt zu werden und sei es nur für ein paar Minuten! Und nun fand Gerald’s und meine Hochzeit ganz in meinem Stile statt! Nun war mir auch klar, weshalb Ricci drauf bestanden hatte, sich in ihr extrem altmodisches Kleid zu hüllen: weil es dem Hochzeitsmotto entsprach! Somit war ich – aus nahe liegenden Gründen – die einzig zeitgemäß modisch gekleidete Frau. Unwillkürlich schweifte mein Blick hin zu Gerald – dem einzigen zeitgemäß modisch gekleideten Mann der ganzen Hochzeitsgesellschaft. Er stand am Ende der Halle, den Rücken mir zugekehrt und schaute angestrengt auf die antike Wanduhr über dem Kamin. Wie er so dastand, wirkte er wie Leonardo di Caprio, in dem Blockbuster TITANIC, der auf seine Rose wartet… Ein gemeiner Trick Ricci’s, um mich zu verzaubern?

Das Orgelspiel endete abrupt und Gerald wandte sich mir zu; wieder erkannte ich glasklar, dass Gerald der schönste Mann war, den ich kannte.…schönste lebende Mann … wollte ich denken, da zwickte Ricci mich unerbittlich in die Seite. Ich hatte Mühe, meine aufrechte Haltung beizubehalten, so weh tat dies… Die Musik setzte wieder ein. Der Standesbeamte rückte sich zurecht und schon waren wir vor Gerald angelangt, der bewusst drauf verzichtet hatte, von irgendjemand zum Altar geführt zu werden. Das Angebot Ventrone’s hatte er höflich, aber bestimmt, abgelehnt.

Geralds anderer Freund aus Alaska hatte sich nicht gemeldet. Wahrscheinlich war ihm der Weg zu weit gewesen oder was auch immer…Ricci war auch nur deshalb zur Brautführerin geworden, da sich mein Vater geweigert hatte, mich zum Altar zu geleiten. Er glaubte immer noch nicht an Beryll’s Tod und empfand meine Ehe mit Gerald als schweren Fehler. Meine Oma weinte; es war eine Mischung aus Trauer um Beryll und Freude für Gerald und mich. Sogar meine Mutter schaute – für ihre Verhältnisse – ungewohnt ernst. Zwischen meinen Eltern stand mein Ältester, Arrow, der inzwischen zur Schule ging. Aus seinem altklugen Gesicht ließ sich nicht erkennen, was er empfand, als er seiner Mutter beim Hochzeiten zusah. Jade und Blossom standen, jeweils eine, an der Hand von Noel und Benjamin. Auch sie entzückend in zartrosa weiß gekleidet – wie kleine Buschwindröschen. Hawk saß auf Stephens Arm, während mein Liebling, Forrest, gemütlich in Anabels Armen döste. Ich wusste – ich tat das Richtige: für die Kinder, für die Familie, für Beryll, für Gerald und – möglicherweise – auch für mich. Ricci entließ mich aus ihrer Führung und stellte mich – sachgerecht – direkt neben Gerald ab. „Viel Glück!“ hauchte sie.

Gerald, neben mir, duftete nach einem königlichen Herrenwasser. Anders als die Lennarts, lösten er und sein Freund Ventrone das Vampirgeruchsproblem mit guten Herrendüften, statt mit Kräuterkapseln aus China. Heute Nacht … dachte ich impulsiv, um mich gleich danach fürchterlich vor den anwesenden Telepathen zu schämen … heute Nacht rieche ich es direkt an Geralds Körper. Ein erleichtertes Lächeln glitt über Geralds Gesicht. Immerhin war dies einer der ersten erotischen Gedanken, den ich mir seit Beryll’s Verschwinden erlaubte. Der Standesbeamte begann zu sprechen. Er erwähnte den Verlust, den ich erlitten hatte, meine jahrelange Trauerzeit und Geralds Beständigkeit mir gegenüber. Er betonte, wie dankbar ich sein durfte, einen Mann wie Gerald gefunden zu haben und wie froh dieser sein sollte, einer treuen Frau, wie mir, begegnet zu sein. Die Ansprache war sehr harmonisch, dauerte nicht lange und ich hatte nicht ein Wort an ihr auszusetzen. Ricci hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet und für uns den allerbesten Redner aufgetan. Dann kam der Moment, als Gerald nach meiner Hand griff. Seine kühlen Finger übten einen entschlossenen Druck auf die meinen aus und sein Blick war ernst, aber liebevoll, als er mir den Ring überstreifte.Dann war ich an der Reihe.Ich gab mir Mühe, genauso entschlossen wie Gerald zu wirken, meine Hand aber zitterte verdächtig. Als der Beamte die verbindlichen Worte gesprochen hatte und uns auftrug, einander zu küssen, tat ich es mit ungespielt mädchenhafter Scheu.

Seit unendlich langer Zeit hatte ich nicht mehr geküsst – ja, nicht einmal wirklich …

 

 

DER FREMDE

Prolog

 

Er stand am Fenster seines Büros und blickte hinaus auf das Meer aus Dächern, Schornsteinen und Neubauten: Croydon, das aufstrebende Geschäftsviertel Londons. Ein Anblick, der ihm seit frühen Kindheitstagen vertraut war. Der tägliche Blick aus der luftigen Höhe seines Büros im Highlandbuildingcenter – früher mit Angst und Schwindel behaftet – ließ Mathew vollkommen kalt, seit der Vater ihn gezwungen hatte, sich zu überwinden.

Während seine Gedanken zu IHR eilten, spielte seine Linke hektisch mit dem Kugelschreiber, auf dem ein Emblem der Firma prangte. Ungeduldig drückten seine Finger immer und immer wieder auf den kleinen schwarzen Knopf. Auf diese Weise hatte Mathew Hopkins schon unzählige Schreibwerkzeuge ruiniert – sehr zum Leidwesen seiner Sekretärin, Miss Trevor. Ihre diesbezüglichen Vorwürfe entlockten Mathew nur ein müdes Achselzucken. Immerhin war es – fast – seine eigene Firma, auf jeden Fall aber seine eigenen Kugelschreiber und somit auch seine persönliche Entscheidung, sie zu ruinieren oder eben nicht.

Unruhig fuhr er sich durchs schwarze Haar. Das schwere glänzende Haar, das er von seiner persischen Mutter geerbt hatte. Seine Mutter, Mehrzad war adeliger Abstammung und zusammen mit dem kleinen Gefolge der Exkaiserin Soraya, zuerst nach Köln und später nach London gekommen, wo sie Mathews Vater, Jonathan Hopkins heiratete. Mathews dunkle Augen glänzten und spiegelten sich in der Innenseite des breiten Fensters. Interessiert betrachtete er sein eigenes Konterfei. Er kaute an seiner Unterlippe und fragte sich, ob die Zeit wohl schon reif sei, oder ob er besser noch zuwarten sollte. Eine schwere Entscheidung. dachte er, ernüchtert, denn er war sich überhaupt nicht sicher, ob SIE schon bereit wäre.Bereit für ihn. Bereit für das, was er von ihr erwartete. Nachdenklich bleckte er seine Zähne und brachte damit das tiefe Grübchen an seinem ausgeprägten Kinn zum Verschwinden. Sinnbild eines willensstarken Anführers. Und das war Mathew Hopkins ja schließlich auch. Geschäftsführer, Ideenschmied und Motor der Firma. Vielleicht fällt es mir deswegen schwer, so lange zu warten? Weil ich ein ungeduldiger Mensch und daran gewöhnt bin, dass man meine Wünsche sofort erfüllt? Mensch? Mathew grinste seinem Spiegelbild zu, dann nickte er. Klar doch. Ein Mensch, was sonst? Dann – endlich hatte er seinen Entschluss gefasst – wandte Mathew sich abrupt um und beugte sich zur rot blinkenden Sprechanlage, die in der Mitte des Teakschreibtisches aufleuchtete. „Miss Trevor. Ich gehe heute schon nach Hause. Alle Termine absagen. Wir sehen einander morgen, pünktlich um Acht.“ Ehe die betagte Miss Trevor antworten konnte, schaltete er ab. Er erwartete von ihr nichts anderes als perfekten Gehorsam. Miss Trevor war bereits seit den Anfängen der Firma mit im Boot und kannte die Schwächen der Familie Hopkins. Mathew war sich nicht sicher, ob sie von den Schwächen seines Vaters nicht mehr kannte, als für eine anständige Sekretärin üblich ist.

Mathew verließ das Büro durch die Hintertüre, wie stets, wenn er nicht gesehen werden wollte. Man hatte diese Türe bereits zu Zeiten seines Vaters eingebaut; zu welchem Zweck hatten weder Mathews Mutter noch er oder seine Schwester jemals gefragt. Der Vater, ein attraktiver Mann, dem die Frauen scharenweise nachliefen, würde seine Gründe gehabt haben. Jedenfalls aber waren Mathews Beweggründe, die Hintertüre zu benutzen andere… Sie waren nicht weniger triebgebunden, doch bedeuteten ihm Frauen, die sich ihm an den Hals warfen, rein gar nichts. Seine Gelüste waren anderer Natur und schwerer zu befriedigen. Ungeduldig winkte er einem der Black Cabs und warf sich mitsamt seinem Aktenkoffer auf den Rücksitz. „Paddington.“ Gab er knapp und formlos von sich.

Den Taxifahrern des Geschäftsviertels, in dem das Highlandbuildingcenter stand, waren Vater und Sohn Hopkins nicht unbekannt. Das ruppige Benehmen des Sohnes eins der üblichen Gesprächsthemen unter den Fahrern, während sie wartend an der Ecke standen und rauchten oder ihre Brotzeit einnahmen. Mathew Hopkins war bekannt dafür flegelhaft, wortkarg, aber auch extrem großzügig zu sein. Meist wollte er zur Cascade Street gebracht und nicht angesprochen werden. An der Kreuzung zur Paddington Street ließ er halten und knurrte: „Tag auch.“, zahlte und stieg aus. Dann bog er in zügigen Schritten in eines der kleinen Nebengässchen. Sein tägliches Verschwinden in dieser Gegend gab den Fahrern Rätsel auf. Diejenigen, die ahnten, wohin es den jungen Geschäftsmann trieb, verrieten es nicht den Anderen und so blieb es ein immer aktuelles Klatschthema, welches Leben in den grauen Fahreralltag brachte.

Lange Zeit wanderte Mathew – blind vor Sehnsucht – die Straßen entlang. Es war ein dunkles Gelüste, das er sorgsam vor der Welt zu verbergen wusste. Einzig Vertraute dieses einen, seiner beiden Geheimnisse, war seine Mutter gewesen. Doch sie war seit vielen Jahren tot. Mathew atmete schwer, denn der Drang, es zu tun, wurde stärker und stärker in ihm; trotzdem – oder gerade deswegen – zwang er sich langsam zu gehen, um die Zeit DAVOR auszukosten. Doch plötzlich litt es ihn nicht mehr in der Menge abgestumpfter Menschen, die hektisch an ihm vorübereilten. Es wurde gelacht, gehupt, debattiert, gekauft und in Geschäftsauslagen gestarrt; alles ging seinen banalen Gang und er hatte genug davon gesehen.

Jetzt wollte er nur noch zu IHR. Zügig schritt er aus, bis er das grün gestrichene Haustor in der White Lane erreichte, in dem sich seine, mehr oder weniger, geheime Wohnung – sein eigentliches Zuhause – befand. Mathew sperrte auf und eilte, mehrere Stufen auf einmal nehmend, die Stockwerke hoch. Sein offizielles Heim befand sich nahe Regen’ts Park, in der Albany Street und war das Haus, das ihm der Vater nach seiner zweiten Eheschließung überlassen hatte. Ein Haus wie aus einem alten Bilderbuch. Prachtvoll, geräumig, nobel, repräsentativ.

Für Mathew nicht mehr, als eine nutzlose Ansammlung lebloser Räume. Räume, die einst, als seine Mutter noch lebte, von Leben erfüllt waren. Damals – als Mathew, seine Schwester Lucy, die inzwischen in den Staaten geheiratet hatte, zusammen mit Anthony, dem viel jüngeren Bruder ein unzerstörbares Trio bildeten. Damals – in jener überaus erfüllten Zeit VOR dem furchtbaren Unfall, der ihm Mutter UND Bruder geraubt hatte.

Jetzt lebte Mathews Vater, wiederverheiratet, in Frankreich. Zwei Kinder stammten aus seiner zweiten Ehe: Jean-Pierre und Cecile. Obwohl Mathew die Halbgeschwister selten zu Gesicht bekam, vergötterte er sie auf ganz eigene Art und Weise. Indes vermochte er der Mutter der Kleinen, seiner Stiefmutter Francoise, nicht mehr als Respekt entgegenzubringen. So war Mathew Hopkins, der älteste Sohn des stadtbekannten Geschäftsmannes Jonathan Hopkins, ein sehr einsamer Mann, der keine Menschen um sich duldete und sein Image als Misanthrop regelrecht pflegte. Außer dem alten Butler im Herrenhaus, Jeremias Potts, und dem Rudel schottischer Hirschhunde: grau, klug und Mathew treu ergeben, gab es Niemand, der seinem Herzen nahe stand.

Mit vor Vorfreude zitternden Händen steckte er den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn eilig um und atmete erleichtert auf, als ihm der vertraute Geruch seines Reichs entgegen schlug. DAS hier war seine wahre Welt, seine geheime Welt und auch ein wenig die Welt seiner frühen Kindheit. Hier hatte sein Leben begonnen. Hier hatte er die glücklichsten Jahre verbracht, gemeinsam mit Mutter, Schwester und Bruder – vaterlos und doch zufrieden. Später – als Jonathan Hopkins sich von der Frau, um derentwillen er Mathews Mutter verlassen hatte, trennte und reumütig heimkehrte – waren sie von hier fortgezogen: in das ererbte Haus des Großvaters , Highlandhouse.

Dies hier aber war Mathews ureigenstes Reich geblieben. Hier waren Gegenstände, die er liebte und die ihm etwas bedeuteten. Sie umgaben ihn, schützten ihn, hielten ihn in der Zeit fest, ja, sie hielten sogar die Zeit als solche fest und gaben ihm das Gefühl, zwar allein – dabei aber doch ganz und gar daheim zu sein.

Allein? Mathew grinste. Sein Herz pochte vor Vorfreude. Würde es heute so weit sein? Oder sollte er das Spiel noch länger hinziehen und es auskosten bis zum letztmöglichen Augenblick? „Pfeif drauf, das entscheide ich spontan.“ rief er aus, stieß die Wohnungstüre hinter sich zu, sperrte ab und legte den Riegel vor. Niemand sollte ihn hier überraschen können, bei dem was er tat oder zu tun gedachte. Er warf die Aktentasche auf das orangefarbene Sofa, und streifte die Schuhe ab. Langsam entblößte er seinen braungebrannten Körper und ging ins Bad, wo er achtlos seine Wäsche in den Korb warf. „Zeit, in den Waschsalon zu gehen.“ brummelte er vor sich hin, dann bestieg er die mit arabischen Mosaiksteinchen geflieste Dusche.

Neugierig blickte er an seinem Körper hinab, begierig zu sehen, wie die vorauseilenden Fantasien seine Männlichkeit beflügelten. „Halt dich zurück.“ schalt er sich halbherzig, denn er fühlte sich großartig und machtdurchpulst. Er seifte sich ein und wusch das glänzende Haar mit Guhl Pfirsichshampoo, dann trocknete er sich sorgfältig ab und begutachtete sich selbstzufrieden im hohen Wandspiegel. Wenn er seine Fantasien zügelte, ließ auch seine körperliche Erregung nach… Die Garderobe wählte er sehr sorgfältig, denn er wollte IHR gefallen. Sein Atem ging tief und schwer. Dann – nachdem er in die schwarzen Lackschuhe geschlüpft war – betrat er das dämmerige Wohnzimmer, das er zügig durchschritt.

Vor dem Bücherschrank blieb er stehen und drückte auf einen versteckten Knopf.Da tat sich zwischen den Regalen eine unsichtbare Türe auf, die Mathew hastig hinter sich schloss.

 

STELLA

 

Prolog

„Und“, fragte Ordanda, die schönste des Trios, „was haltet ihr davon, wollen wir uns Garne holen und aus dem Schicksal der beiden Wesen einen Altarteppich für die Halle des Lebens weben?“ Affektiert zog sie eine ihrer perfekt geschwungenen Brauen hoch, ein herausforderndes Lächeln im Mundwinkel. „Nicht schon wieder“, stöhnte Papea. Sie war klein und zierlich und hätte leicht als Tochter einer der beiden anderen Frauen durchgehen können. Tatsächlich aber waren sie Schwestern, mit nur ein paar Jahren Altersunterschied. Rechnete man es aber in Menschenjahren, so war jede von ihnen tausendmal älter, denn Ordanda, Papea und Selsifa waren drei der letzten lebenden Frauen aus dem alten, versunkenen Atlantis. Sie waren wunderschön, von feinem Wesen, unvorstellbarer Grazie, tiefgründiger Weisheit und gelegentlich auch voll abgründigen Übermutes.

„Wie langweilig! Da lege ich mich lieber für ein paar Jahrzehnte schlafen.“ Selsifa gähnte. Der uralte Scherz der Atlantier – über den nur Unsterbliche lachen … „Nein, im Ernst. Wir sollten es tun. Nichts spricht dagegen und wir könnten sogar gegeneinander wetten…“ Ordanda ließ nicht locker. Sie verkörperte die fleischgewordene Ur-Eva.. Neben ihrer Präsenz verblassten sämtliche Legenden über die erste Frau auf Erden, denn das einzige Paradies, das je existiert hatte, war das versunkene Atlantis. Und es war nicht etwa – wie die menschliche Wissenschaft uns glauben macht – nur eine winzige Insel zwischen den Kontinenten, sondern der gesamte Erdball war einst das geheimnisvolle Atlantis gewesen! Mächtige schimmernde Städte, erbaut und belebt von weisen Wesen, die in Frieden lebten, einander bereicherten und die Vollendung ihres Daseins in Kunst, Wissenschaft und spiritueller Übung suchten. „Verflucht, woran denkst du?“ fragte Selsifa erschrocken die ältere Schwester. „An zu Hause, und du sollst nicht fluchen“, flüsterte Ordanda und für eine kleine Weile lang schwiegen alle drei.

Selbst heute noch, nach einer für Menschen unvorstellbaren Zeitspanne, war die Sehnsucht nach der prachtvollen Heimat voll fruchtbarer Täler, herrlich schneebedeckter Gipfel, Schiffen mit kunstvoll bemalten Segeln, die auf den Weltmeeren kreuzten und den blitzschnellen Flugbooten, die die Kontinente in Windeseile miteinander verbanden, so groß, dass ihre Herzen schwer wurden, wann immer sie sich daran erinnerten. In so manchen Nächten kehrten die Bewohner des neuen Atlantis wehmutsvoll an jene, über den ganzen Globus verstreuten Orte zurück, die, aus welchen Gründen auch immer, von der großen Katastrophe verschont geblieben waren. Spuren des alten Atlantis gibt es allerorten von Afrika bis England und von Ägypten bis zu den Osterinseln. Alle zusammen verbindet die eine Gemeinsamkeit, nämlich, dass die Menschen ihr Vorhandensein ignorieren – ganz so, als beschäme es sie, nur Zweitgeborene auf dem Planeten zu sein. Einzig in Legenden ist Atlantis noch präsent und in jenen – hinter vorgehaltener Hand weitergegeben Berichten – in denen von nächtlich umherwandernden Gestalten die Rede ist, die beispielsweise auf Malta immer wieder gesichtet werden. In Vollmondnächten sollen sie angeblich über die Cart Ruts wandern; sie bücken sich, streichen über die tief ins Gestein gegrabenen Karrenspuren und folgen ihnen sogar über jenen Punkt hinaus, wo diese im Meer verschwinden.

„Weshalb ausgerechnet Nornen?“ begehrte Papea auf. „Ich konnte deine Leidenschaft für diese Spielvariante noch nie nachvollziehen. Oder siehst du hier irgendwo Walhalla oder Yggdrasil, die Weltesche? Hörst du irgendwo zechende Recken oder siehst schildbewehrte Jungfrauen, die Met in Kuhhörnern kredenzen?“ Sie hielt die Hand ans Ohr und tat, als ob sie lausche. „Nein, ich höre nichts“, entgegnete Ordanda ungerührt. „Nichts als den Sarkasmus in den Worten meiner jüngeren Schwester.“ „Oh, vergib mir, Ältere!“ Papea konnte es nicht lassen. „Ich vergesse stets aufs Neue, welch gewaltigen Vorsprung an Weisheit dir deine drei Lebensjahre verschaffen.“ Provokant blinzelte sie unter ihren langen, dichten Wimpern hervor. „Mir gefällt diese Epoche nun einmal nicht. Es war eine derbe unwissende Zeit. Meine damaligen Besuche an der Oberfläche empfand ich als bedrückend. Zwar machte es mich glücklich, SOL wiederzusehen und das gottgleiche Blau eines realen Himmels, doch das wog nicht auf, wie erbärmlich das Leben damals war. Um wie viel lieber gehe ich in diesen Tagen nach oben, da das Bild der Welt dem der unseren ähnelt.“ „Da stimme ich dir zu!“ Ordanda lachte bitter. „Die Menschen stürmen in der Tat schnurstracks auf jenen Punkt zu, den wir erreichten, ehe wir den Planeten beinahe in die Luft jagten. Ich glaube, das vergisst du in deinen verglorifizierten Ausführungen!“ „Vergessen?“ schnappte Papea zutiefst gekränkt. „Wie könnte ich je vergessen, was unsere Art der Erdmutter angetan hat? Gerade du solltest wissen, dass ich selten über die uns auferlegte Strafe murrte.“ Unwillig rutschte sie von der steinernen Brüstung, auf der sie gesessen hatte. Das aquamarinfarbige bodenlange Kleid, das in langen Falten von ihrem makellosen Körper fiel, berührte den sandigen Boden. Zornigen Schrittes eilte sie zu der riesigen, ovalen Glasscheibe, die die Welt der Atlantier strikte von der der Menschen trennt.

Die Kuppel – eine Höchstleistung der weisesten Köpfe der alten Welt – hielt immer noch dem enormen Wasserdruck in der Tiefe des Marianengrabens statt. Das Material, aus dem sie gefertigt war – lebendes Glas genannt – war weich und biegsam und doch widerstandsfähig genug, um die kleine Welt der Überlebenden zu schützen.

Papea legte ihren Kopf an die Scheibe. Außerhalb war es bitterkalt in dieser Tiefe, doch innerhalb der Kuppel herrschten tropische Temperaturen, erzeugt von einer künstlichen Sonne, die sich aus dem feurigen Erdkern speiste und so hell wie ihr Vorbild strahlte: SOL, die herrliche Lebensspenderin des Planeten. „Woher willst du wissen, dass die Menschen denselben Fehler wie wir begehen? Den letzten Berichten zufolge werden sie zunehmend sensibler gegenüber der Kraft aus dem Innersten. Die Hoffnung stirbt zuletzt. So sagt man doch, oder?“ „Sei nicht traurig, Schwester“, bat Sesilfa, die sanfteste der Drei. Sie trat neben Papea und legte ihr den Arm um die Schultern. „Möchtest du nach oben? Ich glaube, du brauchst eine neue Begegnung mit der Wirklichkeit!“ „Ach, gibt es eine andere Wirklichkeit außer der, dass wir die letzten unserer Art sind? Nicht mehr als ein paar tausend Verrückte, die sich vor der herrschenden Spezies verstecken und von denen – außer uns neun – keiner die alte Heimat kennt, deren Abklatsch wir so krampfhaft am Leben erhalten wollen?“

Übermut und Frohsinn waren plötzlich wie weggewischt. Das Gespenst der Hoffnungslosigkeit geisterte durch die Köpfe der Schwestern.

Das fluoreszierende Leuchten des riesigen Tiefseefisches, der draußen vorüber schwamm und dessen Tentakel verwirrt über das gewaltige Hindernis tasteten, drang ebenso wenig ins Innere der Kuppel, wie das Licht der künstlichen Sonne nach außen zu dringen vermochte. Das neue Atlantis musste bis zum Tag X unter allen Umständen vor den Menschen verborgen bleiben. „Vielleicht können wir bald schon nach oben vor die Menschen treten und ihnen die Wahrheit offenbaren, damit sie lernen, die Gefahr zu begreifen?“ “ wisperte Selfsifa – ohne rechte Überzeugung. „Nie werden sie irgendetwas begreifen“, dämpfte Ordanda die Begeisterung ihrer Schwester. „Wir beobachten sie seit tausenden Jahren, leben unter ihnen. Verpaaren uns mit ihnen. Und was hat es uns gebracht, außer einigen tausend Hybriden, die uns in groben Zügen ähneln und dennoch nicht sind wie wir?“ Papea löste sich von der Kuppel und wandte sich um. „Heute herrscht hier eine furchtbare Stimmung. Was ist bloß in uns gefahren?“

„Es ist Vollmond“, knurrte Ordanda. „Er beherrscht unsere Empfindungen immer noch; sogar hier…“

Sie wies hinter sich auf eine Wiese, wo duftende bunte Blumen wuchsen und lispelnde Gräser sich im künstlich erzeugten Wind wiegten. Auf einer sanften Anhöhe grasten Schafe und Ziegen und vor dem matten Blau eines synthetischen Himmels schwebte ein Schwarm bunter Vögel. Es war eine perfekt imitierte Welt, in der die Erstgeborenen lebten. Sie, die Neun: vier Männer, fünf Frauen und deren Kinder aus den Folgegenerationen. Durch wohlbedachte Auslese – frei von emotionalen Befindlichkeiten – schafften die Neun es, sich innerhalb kurzer Zeit zu verdreifachen. Da ein atlantisches Paar seit Anbeginn der Zeit nur wenige Kinder zur Welt bringen konnte – blieb ihnen nur die Möglichkeit weiterer, bis ins kleinste Detail durchdachter Verwandtenpaarungen.

Viele Generationen lang funktionierte diese Zuchtwahl und das geheime Reich am Grunde des Pazifiks füllte sich mit jungem Leben…, bis plötzlich Mutationen auftraten, die mit katastrophal zerstörerischen Eigenschaften behaftet waren. Zutiefst schockiert über diese traumatische Entwicklung erließen die Neun das strengste Verbot des neuen Atlantis, welches innerartliche Verpaarungen ausschloss. Um nicht zu stagnieren und um nicht auf gentechnisch im Labor manipulierten Nachwuchs angewiesen zu sein, erging das erste atlantische Gebot, das da lautet: „Findet in der Menschenwelt euer passendes Pendant.“

Nach vorerst heftigem Widerwillen, fanden sich schließlich Freiwillige, die bereit waren, dem Fortbestand ihrer Gattung auf solch unorthodoxe Weise zu dienen… Dabei stellte sich heraus, dass atlantische Männer nur mit einer bestimmten Menschenfrau einen einzigen Sohn zeugen und atlantische Frauen dem passenden Menschenmann nur eine einzige Tochter gebären konnten. Die Rassenkreuzung funktionierte also. Doch in welchem Tempo? Die Suche nach dem richtigen Partner konnte Jahrhunderte dauern…

Die Gelassenen der Atlantier nannten dies „Unglück im Glück“ und bauten auf Zeit. Jene verschwindende Minderheit aber, die immer gegen Verpaarungen mit Menschen gewesen war, drängte verstärkt auf Genmanipulation. Für sie zählte nur unverfälschtes atlantisches Blut – ungeachtet der armen, an abgesonderten Orten lebenden Wesen, welche die Inzucht hervorgebracht hatte. Obwohl sie durchaus Mitleid für die Unglücklichen empfanden, glaubten sie immer noch, die Natur beherrschen zu können.

Der alte atlantische Traum! In den Köpfen einiger Unseliger hatte er überlebt!

Sich selbst nannten sie Origins, Nachkommen mit Menschenblut aber abfällig Hebrids und verwehrten sich gegen deren Anwesenheit im neuen Atlantis.Um des inneren Friedens willen, hatten die Neun ihnen nachgegeben, zumal nur wenigen frei geborenen Hebrids ein Leben auf dem Meeresgrund erstrebenswert dünkte… Für die Mehrzahl der Atlantier aber stellte die Ankunft eines Hebridkindes immer noch ein freudiges Ereignis dar, das festlich gefeiert wurde. Es stimmte, dass Hebridkinder schlichter waren, einfacher – vielleicht sogar dümmer, wie böse Zungen behaupteten – dennoch waren sie die Zukunft. Sie waren die einzige Zukunft …

„Das ist wahr“, zwitscherte Ordanda, plötzlich froher gestimmt. Wie alle Atlantier und die ihnen nachfolgenden Hebrids, verstand sie sich auf die Kunst der Telepathie und konnte die Gedanken der Schwestern lesen…„Wir wollen schnell alle trüben Gefühle über Bord werfen.“ Sie grinste und tupfte gegen das lebende Glas. Da wo ihre Fingerkuppen es berührten, bildete sich eine Delle …„Wie dumm von mir! Wir sind ja bereits am tiefsten Punkt des Ozeans und können gar nichts über Bord werfen.“

„Dann lass sie uns begraben. Erde gibt es genug“, scherzte nun auch Papea. Sie beugte sich zu Boden und tat, als grübe sie ein Loch. Erschrocken flatterte ein Schwarm weißer Tauben hoch, der in den Feldern nach Futter gesucht hatte. „Los also, besorgen wir uns Wolle. Möglichst viele bunte Farben, damit wir ein großes Spektrum abdecken können!“ „Du wirkst, als wärest du wieder ein kleines Mädchen, Papea … und das gefällt mir verdammt gut“, kicherte Selsifa. „So bist du mir jedenfalls lieber als traurig.“ „Verdammt sagt man aber nicht und du machst als Trauerweide übrigens auch nicht gerade viel her“, korrigierte Ordanda und fügte hinzu: „Genau wie auch ich…“

Auffordernd streckte sie den Schwestern die Hände entgegen, die diese widerspruchslos ergriffen. Während sie lachend zwischen den künstlich bewässerten Feldern dahin schritten, fühlten sie sich wie damals, als die Welt jung und sie selbst noch Kinder gewesen waren.Damals im wahren Atlantis – hoch oben unter Sol’s tröstlich warmem natürlichem Licht.

 

! E X K L U S I V !

M A X I M

KAPITEL 1

Gestern Nacht träumte ich wieder von Manderley. Ich träumte von Manderley, wie ich unzählige Male davor von diesem Ort geträumt hatte und es noch tausend weitere Male tun würde. Manderley. Was meinen letzten Traum von all den bereits geträumten unterschied und ihn so kostbar, so unwiederbringlich einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er anders war . Manderley. Nicht länger mehr nur drohender Schatten meiner und Maxims Vergangenheit – nein – Manderley war zu einem blühenden Hort lebendigen Lebens geworden, strahlend in seinem alten Glanze – und seinem neuen.

Und so lebten schließlich auch wir: strahlend. Glücklich, zufrieden – vollkommen ungestört – und frei. Nach den vielen Jahren der Angst, der Verdrängung, den gehassten, aufdringlichen Erinnerungen, die uns ungewollt heimsuchten, war Manderley, endlich, das geworden, was es immer hätte sein sollen. Unser Heim, unser Zuhause, unsere Zuflucht und der Platz, an dem wir leben konnten – und wollten. Von alledem, was in den Jahren unseres Exils, daheim und in England passiert war, wussten wir wenig. Streng und unerbittlich hatte Maxim dafür Sorge getragen, dass nichts zu uns durchdrang, was unsere mühsam erkämpfte innere Sicherheit hätte ins Wanken bringen können. „Nur so viel, wie unbedingt nötig.“ war zu einem von Maxims geflügelten Sätzen geworden. Ein Satz, den sowohl ich, als auch der gute Frank, daheim auf der Insel, wortwörtlich nahmen und uns akribisch daran hielten.

Da aber Frank es für unumgänglich gehalten hatte, uns über Jack Favell und Mrs. Danvers zu informieren, wussten wir – ohne die Details zu kennen – dass beide wegen mehrerer Delikte verhaftet, verurteilt und zu sehr langen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren. Nachdem Maxim sich bei Frank für diese Informationen bedankt hatte, wurden die Namen der beiden Menschen, die uns Manderley genommen hatten, nie mehr ausgesprochen. So wie wir überhaupt niemals von Früher sprachen. Früher – das war das andere Leben, das Leben, das ein anderer Maxim, eine andere Daphne gelebt hatten und die mit uns, diesem glücklichen, zufriedenen und aufeinander eingestimmtem Paar nichts gemein hatten, als den Namen.

Doch in meinem Inneren ließen Manderley und die Vergangenheit sich nicht so einfach verdrängen, wie Maxim annahm. Manchmal, wenn Maxim leise aufseufzte und sein Blick sich in weite Ferne verflog, fragte ich mich insgeheim, ob nicht auch Maxim von den Dämonen unseres früheren Lebens geplagt wurde – genau wie ich.

Doch es blieb bei meiner stillen Vermutung und konnte deshalb von Maxim weder dementiert noch bestätigt werden. Maxims Gedankenwelt gehört ihm alleine und ich versuche längst nicht mehr, sie zu ergründen.

Längst habe ich erkannt, dass er nicht der Mann wäre, in den ich mich verliebt habe, nicht der Mann, den ich mir wünschte, nicht der geheimnisvolle Fremde aus einem anderen Zeitalter, wie ich ihn einmal gesehen hatte.Ich liebe seine männliche Souveränität. Und Maxim liebte mich dafür, dass ich diese Eigenart respektierte.

***

Seit der Geburt unserer Tochter Valerie, war unser Interesse an Magazinen und Zeitschriften aus der Heimat verblichen und hatte sich in Wohlgefallen aufgelösten. Maxim und ich versuchten, nur noch im Heute, im Hier und Jetzt und in unserem neuen schönen Leben zu leben. Zufrieden kuschelte ich mich zurück in meine Polster. Noch war ich nicht bereit, auf zu stehen, um den Tag zu beginnen. Die Fensterläden waren geschlossen worden, um die kommende Hitze des Tages abzufangen. Durch die Ritzen der alten Holzlatten, die in sattem Braun gestrichen waren, blinkte ein wenig blauer Himmel in unser Schlafzimmer. Ich schloss die Augen, um die schönen Gefühle, die der Traum in mir ausgelöst und hinterlassen hatte, noch ein wenig nachzuempfinden.

In meiner Traumwelt waren es drei Kinder, die fröhlich auf der weiten Rasenfläche vor dem Rosengarten herum tollten. Auch ein Hund war mit dabei gewesen, eine feine, semmelgelbe Labradorhündin…. Ganz anders als unser früherer Hund Jasper, der seit langem im Hundehimmel weilte. Kein Hund der Welt, würde unseren Jasper je ersetzen können und doch…. Laut bellend hatte ich sie zusammen mit unseren Jungs durch das glückliche Tal laufen sehen.

„Wir können nie wieder zurück.“ sagte die mahnende Stimme in meinem Kopf und holte mich zurück in unsere Realität. Unsere Realität war ein stabiles, altes Steinhaus am Stadtrand von San Sebastian, in Spanien, das Maxim kurz nach Kriegsende günstig für uns erstanden hatte. Das viele Herumziehen von Hotel zu Hotel, die trostlosen Weihnachtsfeste ohne eigenes Zuhause, die öden, langen Besuche in Museen und Galerien, die unzähligen Hotelpagen, die frustrierten, gelangweilten, künstlich auf fröhlich getrimmten Gesichter all der anderen Hotelgäste……

Dieses Kaleidoskop der verschiedensten Eindrücke hatte eines Tages bewirkt, dass ich all meinen Mut zusammen nahm und Maxim geradeheraus fragte, wann wir endlich wieder sesshaft werden wollten. Überraschenderweise reagierte Maxim auf meine drängende Frage weder ablehnend, noch ungehalten. Eine Frage, die ich schon unzählige Male hatte stellen wollen. War es Feigheit gewesen, die mich so viele Jahre daran hinderte oder war es doch eher, wie ich mir selbst einredete, mein Bedürfnis Maxim vor unliebsamen Erinnerungen zu schützen? Maxims positive Reaktion zeigte mir, dass auch ihn die Zeit in der Fremde verändert hatte. Lächelnd hatte er mich in die Arme genommen, die überlegene Miene aufgesetzt – die ich so sehr liebte und zeitweise so sehr hasste – und spöttisch erwidert: „Ich dachte schon, du besäßest niemals den Mut, mich zu fragen.“

 

! EXKLUSIV“

Auszug aus meiner Fanfiktion zu TWILIGHT

„JENSEITS VON FORKS“

SONNENAUFGANG

Ich öffnete die Augen im selben Moment, als die Sonne über den Gipfel des höchsten Berges emporstieg. Jeden Morgen- seit mein neues Leben als Vampir begonnen hatte – genoss ich diesen herrlichen Moment aufs Neue. Es macht großen Unterschied, ob man als unausgeschlafener Mensch, der immer irgendwohin muss – Schule oder Job – was auch immer – in diesen Moment hinein erwacht, oder ob man ihn als Vampir erleben darf. Als Vampir, der all diese menschlichen Unpässlichkeiten nicht mehr kennt. Müdigkeit, Albträume, schlechten Schlaf… Wir Vampire schlafen nicht und müde können wir auch nicht werden. Eine der vielen Annehmlichkeiten meines Vampirlebens ist es, nie wieder Albträume haben zu müssen.

Rings um uns herum – auffallende Stille. Die meisten Tiere schliefen noch oder erwachten vielleicht grade jetzt, um sich zu strecken und die steif geschlafenen Glieder fit zu bekommen für einen weiteren Tag ihres kurzen Lebens. Für mein feines Gehör war es allerdings gar nicht so leise. Ich konnte die vom Himmel fallenden Schneeflocken hören, wie sie am Boden aufschlugen, hörte das Atmen der kleinen Nager ringsum, ja, sogar das Wispern der Maulwürfe tief unter uns in ihren Erdlöchern konnten meine neuen Ohren erfassen..

Neben mir lag Edward. Edward, mein … Noch immer schrecke ich vor diesem Wort zurück – aber ich übe fleißig: mein Ehemann. Er lächelte still in sich hinein, als er merkte, dass meine Augen geöffnet waren und ich zu ihm hinsah. Wir hatten in der Nacht gejagt und uns dann im Zwielicht – kurz vor Sonnenaufgang – auf der Lichtung geliebt. Geliebt wie nur Vampire sich lieben können: unersättlich, endlos, unerbittlich, gewaltig und zärtlich. Der kalte Schnee unter uns, nur etwas kälter als unsere eigene Körpertemperatur. Die kalte Luft, die sich wie eine eisige Decke um uns legte – nichts von Beidem spürten wir…

Jetzt lag ich an Edward geschmiegt da, hatte die Augen geschlossen und versuchte krampfhaft alte menschliche Erinnerungen nachzuempfinden – was kaum gelingen wollte. Schwach nur erinnerte ich mich daran, wie schwer es mir früher fiel, mich zu konzentrieren. Als Vampir konnte ich viele Dinge gleichzeitig wahrnehmen, denn es war so unendlich viel mehr Platz in meinem Kopf. Gleichzeitig war alles scharf umrissen, glasklar und – irgendwie – mehrdimensional.

Mein Körper prickelte noch von der Jagd. Immer mehr genoss ich das Gefühl, wenn sich das Blut des erbeuteten Tieres in meinem Körper ausbreitete, um jede meiner untoten Zellen mit sprudelndem Leben aufzufüllen. Es fühlte sich an, als bade man (als Mensch) in einer Wanne voll Sekt – nur eben von INNEN. Edward setzte sich hoch, hob die Lider und seine – nach erfolgreicher Jagd – nun goldbraunen Augen blickten liebevoll auf mich. „Bella ich glaube, wir müssen jetzt nach Hause. Renesmee wird bald erwachen und du weißt doch, welcher Tag heute ist.“ Seine Stimme klang honigweich und sanft und ich konnte fühlen, wie sorgfältig er seine Worte wählte. Trotzdem versetzten sie mir einen Stich ins Herz und das, obwohl ich GAR kein lebendes Herz mehr besitze. Ich frage mich, ob solche unliebsamen Empfindungen mit den Jahrhunderten vergehen. Denn, eigentlich sollte ich als Vampir über den Dingen stehen, oder? Unsterblich, unverletzbar, schnell, tödlich, verführerisch schön und klug – wie ich jetzt bin. Doch ein Teil von mir ist und bleibt wohl bis in alle Ewigkeit BELLA. Jene Bella, die sich viel zu oft viel zu viele Gedanken über das Geschehen macht und vor fremden Situationen am Liebsten immer noch davonlaufen möchte.

Im Vorjahr beim schicksalsschweren Treffen mit den Volturi waren wir siegreich zurückgeblieben. Von unfassbarem Glück erfüllt, hatte ich gehofft, von nun an, sorgenfrei, bis in alle Ewigkeit und vereint leben zu dürfen. Glücklich vereint. Edward, Renesmee, ich und alle Anderen. Eben wir: die Cullens … War es je anders gewesen? Hatte es je eine Zeit gegeben, in der ich nicht Teil dieser großartigen Familie gewesen war? Wir hatten das wunderbarste Jahr erlebt, das man sich nur vorstellen kann.

Doch ganz ohne Probleme war unser Leben dennoch nicht geblieben, denn wir mussten über Renesmees Zukunft entscheiden. Und zwar rasch. Immerhin war unsere Tochter halb Mensch, halb Vampir und Nahuel, der andere uns bekannte lebende Halbvampir, war mit sieben Jahren bereits erwachsen… Renesmee würde dieser Tage bald ein Jahr alt werden!

Ihr Geburtstag als Halbwesen und mein Geburtstag als Vampir fielen auf denselben Tag – die Tage, die ich im Feuer zugebracht hatte, nicht eingerechnet.

Edward unterbrach meine Gedankenfolge, indem er mich ein weiteres Mal aufforderte, aufzustehen und mit ihm heim zu laufen. Ich erkannte eine leichte Vibration seiner Stimme. Er war also längst nicht so ruhig, wie er vorgab, zu sein! Eigentlich wollte ich seinem Wunsch sofort Folge leisten – doch ich wollte ebenso sehr den Augenblick hinauszögern, ehe ich mich der Realität stellen musste. „Bitte….noch einen kleinen Moment, ja?“ Edward seufzte ergeben, legte den Kopf auf seine verschränkten Arme und schloss die Augen. „Es nützt nichts Bella, wenn du es noch so lange hinauszögerst! Es sind doch nur ein paar Tage…“ Er vollendete den Satz nicht; er kannte mich zu gut und wusste daher, dass ich es nicht noch extra hören wollte. Stattdessen vollendete ich den Satz in meinem Kopf. „… bis Renesmee zurück ist!“ Fast spürte es sich an, als schaffte es dieser Satz, mein Herz, das seit einem Jahr nicht mehr schlug, noch stiller und kälter zu machen, als es ohnehin bereits war. Fast eine Woche lang von Renesmee getrennt sein zu müssen, erschien mir einfach zu unvorstellbar … Und doch so wichtig – Renesmees Zukunft. Bisher hatten wir das Thema nur gestreift, sobald Renesmee in ihrem schlief. Es gab so viele Für und Wider!

Seufzend legte ich mich zurück in den Schnee und blinzelte zu Edward. Die Schneekristalle funkelten im noch immer blassen Licht, der nun schon etwas über der Bergspitze stehenden Sonne. Ein Teil von mir verglich das Funkeln auf Edwards blasser Haut mit dem Funkeln der Schneekristalle. Was war schöner? Ein anderer Teil von mir war gleichzeitig voll Sorge, da Renesmee fortfliegen würde. Doch in dem weiten Raum, den mein Kopf jetzt darstellte, war Platz für noch viel mehr Gedanken:

„Edward…“, fragte ich übermütig. „Wie denkst du, sehen wir von oben – sagen wir von einem Flugzeug aus betrachtet – jetzt aus, wenn wir so schwach bekleidet hier auf dem Schnee herumliegen?“ „Wie glitzernde Leichen.“ scherzte Edward! „Oder wie Verrückte unter Drogen, die sich vor ihrem Selbstmord mit Glitter bestäubten.“

Die Sonne schien jetzt wärmer und es wurde heller und heller und darüber wurde auch meine Stimmung wieder besser. Ich hielt meine Augen weit geöffnet und genoss den Anblick des herrlich glitzernden Vampirs an meiner Seite. Der Vampir, der mein Mann war – der Vater meiner Tochter, Edward Cullen. Mein Gefährte bis in alle Ewigkeit.

„Ist Jasper irgendwo in der Nähe, kannst du ihn hören?“ fragte ich hintergründig. „Nein, wieso kommst du darauf? Hier ist weit und breit niemand.“ „Weil ich mich auf einmal wohl fühle und das bedrückende Gefühl von mir gewichen ist. Außerdem, wir haben noch ein wenig Zeit, was hältst du davon, dass wir …?“ Ich presste mich an Edwards Körper. „Lass es sein, Bella“, grinste Edward. “Ich kenne diesen Blick. Du bist eine unersättliche Vampirfrau und es war riskant, dich zu verwandeln. Riskant für …MICH. Aber jetzt ist leider trotzdem keine Zeit mehr für „das“…. In seiner altmodischen Art sprach er die Dinge auch jetzt, da wir verheiratet und beide Vampire waren, nur umschrieben aus. Ich musste lächeln. Da war ich schon offener und knurrte bedauernd „Nichts mit Sex also …“ Und gleich drauf – scheinbar wie zu mir selbst: „Immerhin habe ich ja noch die Ewigkeit vor mir. Da wird sich noch so Einiges ergeben, denke ich.“ Also hoch mit mir ….

 

 

 

Buchauszug aus

I GeT YOU, BABE

Sie trug eines ihrer kleinen Schwarzen in Mini, schwarze Strumpfhosen, Stiefeletten mit hohen Absätzen und darüber ihren neuen Mantel aus Wollstoff. Der typische Mix a la Eve eben, in dem sie sich selbstbewusst und wohl fühlte. Sie wusste, sie war nicht unhübsch und falls sie Jack nicht gefallen sollte, war dies sein und nicht ihr Problem. Während sie quer durch Wien fuhr, verflüchtigte sich allmählich ihre dumme Unsicherheit. Es war so etwas wie ein Gottesurteil, dem sie sich heute stellen wollte und ihrer teilweise dogmatischen Einstellung zur Treue wegen sogar stellen musste. Sie trafen einander in einer schmalen Gasse im zehnten Bezirk, direkt hinter dem berühmten Eissalon Tichy. Als Eve sich dem Gastgarten auf der hölzernen Terrasse endlich näherte, hatte sie ihre inneren Erwartungen und Ängste bereits so tief heruntergeschraubt, dass sie tatsächlich glaubte, nicht mehr zu tun, als sich mit einem alten lieben Schulfreund auf einen Kaffee zu treffen.

Doch dann stand Jack auf, kam auf sie zu und begleitete sie zu ihrem Platz. Sie sah ihn, schaute in seine Augen und … vergaß. Vergaß, dass sie zweifache Mutter war und mit dem großartigsten großzügigsten Mann der Welt zusammenlebte. Sie vergaß auch, dass sie schnurgerade auf die Mitte ihres Lebens zuraste und wie viel von den Verlockungen dieser Welt sie bereits abgehakt hatte. Von dem Augenblick an, als Jack zu ihr sagte: „Servas Klane!“ retardierte Eve zu einer Vierzehnjährigen. Und der, der vor ihr stand, ihr den Stuhl zurechtrückte und nach dem Kellner schnippte, der, der sie mit seinen unvergesslich graublauen Augen anblickte, war alles, was sie sich je gewünscht hatte und alles, was sie sich je noch wünschen würde. Er war das Schnittmuster gewesen, an dem jeder Mann, dem sie begegnet war, sich hatte messen müssen. Und jener traurige Moment war gar noch nicht so lange her, an dem sie Jack loslassen musste, weil dessen Schnittmuster keinem Anderen zu passen schien. Danach begann Eve mit bescheidenerem Maße zu messen; den Umständen Tribut zollend, doch nicht dem eigenen Empfinden.

Während Eve Jack von diesem und jenem aus ihrem Leben erzählte, pochte ihr Herz so heftig, als gälte es, mit seinem Dröhnen die riesige Halle des Stephansdom’s zu füllen. Dann redete Jack und erzählte von seinem Berufsleben, von seiner gescheiterten ersten Ehe und von seiner neuen. Eve filterte alle Details, merkte sich nur das für sie Wichtigste und horchte erst auf, als Jack sagte: „ …und außerdem, g’scheit bist du auch noch!“ während sein Blick mit unverhohlener Begeisterung in dem ihren brannte. Augenblicklich wusste Eve, dass es um sie geschehen war. Nichts – rein gar nichts – würde sie ab sofort davon abhalten können ihn ebenso heftig zu begehren wie seinerzeit. Nur diesmal begehrte sie Jack mit dem Herzen einer reifen erfahrenen Frau.

Der Morgen nach dem Treffen begann damit, dass Eve erwachte und zuerst gar nicht begriff, wo sie war. Sie hatte von Jack geträumt; endlich wieder nach so langer Zeit! Der Traum war so intensiv gewesen, dass sie fest glaubte, neben ihm im Bett zu liegen und zu erwachen. Doch rasch stellte sie ernüchtert fest, dass es nur ihr eigenes Schlafzimmer war und nicht das geträumte Hotelzimmer in Venedig. Erschrocken wandte sie sich um, doch Sebastian war längst aufgestanden und werkte in der Küche. Heute war sein Frühstückstag, wie jeden geraden Tag der Woche. Klar, für Eve bedeutete dies einen Tag mehr als Sebastian zuständig zu sein, doch damit konnte sie leben. Immerhin musste er früh am Morgen in der Uni sein, während Eve noch mal zu Bett gehen und weiterschlafen konnte. Auf dem Polster war noch deutlich der Abdruck von Sebastians Kopf zu sehen. Ein einsames Haar kringelte sich auf dem bunten Überzug von Ikea. Betroffen griff Eve danach. Sie ringelte es zwischen ihren Fingern und wurde nachdenklich.

Warum hatte das Schicksal ihr Jack eigentlich erst jetzt über den Weg geführt? Und konnte man es überhaupt ein „über den Weg führen“ nennen, wenn doch sie selbst den Kontakt gesucht hatte? Nun, antwortete sie sich selbst auf diese Frage. Immerhin hätte es auch ein Namensvetter sein oder Jack an einem Treffen desinteressiert sein können. Auch hätte es zwischen uns nicht „klick“ machen müssen und wir hätten uns wie zwei alte Schulfreunde einfach verabschiedet. Vielleicht sogar mit der Option, einander irgendwann, irgendwo wieder zu treffen.

Ganz gleich, wie Eve es auch wendete und drehte – das Haar und ihre Gedanken dazu – gestern war etwas geschehen, was nicht hätte geschehen dürfen und Sebastians rotes Haar erinnerte sie schmerzlich daran.Ich muss an etwas Anderes denken, sonst kann ich Sebastian nicht unter die Augen treten. Das Treffen gestern UND der Traum! Das ist einfach zuviel. Auch wenn im Traum gar nichts Verwerfliches passiert ist, die Gefühle waren gewaltig und von nie zuvor gefühlter Intensität. Unglaublich und unvorstellbar…

 

„Frühstück ist fertig!“ lockte Sebastians Stimme aus der Küche. „Komm, Zwerglein, sonst verputzen wir Männer alles!“ Sebastian war mit seinen knappen zwei Metern Körpergröße ein stattlicher Normanne, daneben nahm Eve sich mit ihren 160 cm tatsächlich wie ein Zwerglein aus. „Ich komme!“ rief sie, stieg aus dem Bett und hetzte ins Bad, um sich den Schlaf aus den Augen zu waschen und den Mund mit Mundwasser durchzuspülen. Sie war nun mal eitel und wollte zu keinem Zeitpunkt ihres Lebens, weder von den Ihren, noch von Fremden, anders als ästhetisch wahrgenommen werden.„Huch!“ sagte Sebastian lachend, als sie ihm mit Pfefferminzatem einen Kuss auf die Wange hauchte. Jacob taumelte im Pyjama aus dem Kinderzimmer und setzte sich schweigend an den Tisch. Ihn jetzt anzusprechen machte keinen Sinn. Eve langte nach den mürben Kipferln, die Sebastian angerichtet hatte und trank dazu einen Schluck vom bereits perfekt gemischten Milchkaffee.

Über den Becherrand hinweg beobachtete sie ihren Mann, der die Morgenzeitung studierend, sein Kipferl nach Altwiener Art in den Kaffee tunkte. Seltsam, dachte sie. Nichts hat sich geändert. Ich liebe Sebastian genauso fest wie jeden anderen Morgen all jener Jahre, die wir nun schon zusammenleben. Und doch weiß ich seit gestern ganz genau, dass ich eigentlich immer nur Jack richtig geliebt habe.

 

Buchauszug aus

SORAILS ERBEN BAND VI – ERFÜLLUNG

 

Plötzlich drangen Geräusche an mein Ohr. Instinktiv legte ich den Kopf so schief wie ein wachsamer Hund. Es waren Stimmen und doch auch wieder keine Stimmen. Beryll sprach mit irgendjemandem. Schon erwartete ich, ihn bei der Türe hereinkommen zu sehen, um mich in seine Arme stürzen zu können. Doch seine Stimme blieb gleich laut, kam nicht näher und niemand antwortete ihr. Was? Was redet er? Und mit wem?

Bis ich unvermittelt mit siedendheißer Freude feststellte, dass es nicht Berylls Stimme war, die ich hörte, sondern sein Innerstes: Berylls Gedanken. Er sang. Beryll sang ein Liebeslied und er sang es für mich! Welche Sprache singt er? fragte ich mich und vermochte es doch nicht herauszufinden. Bis ich begriff, dass es keine Sprache war, weil es in der Gedankenwelt gar keine Sprache gibt! Angespannt und hochkonzentriert ließ ich mich zurück auf mein Bett fallen, schloss die Augen und lauschte.

Das Bild eines Sees tat sich vor meinem neu entdeckten telepathischen Organ auf – so bildhaft naturgetreu, als stünde ich leibhaftig davor. Ein Schiff, weißgetüncht, wurde von einem Mann über das Wasser gerudert. Deutlich und wie in schwarz-weiß zeichneten sich die Umrisse des Mannes vor meinem inneren Auge ab. Er hob eine Hand und winkte in die Richtung, auf die sich sein Boot zu bewegte. Da sah ich auch sie: die Frau. Jede einzelne Falte ihres Gewandes konnte ich erkennen. Das Kleid war indigoblau, mit goldenen Borten. Glückstrahlend lief die Frau zum Ufer eines weißen Strandes, um ihren Schiffer zu empfangen. Doch nicht nur dieses Bild war da…

Ich hörte auch den Gesang, der untrennbar mit dem Geschehen verwoben zu sein schien. Da war aber noch etwas. Was ist es? Berylls Atem? Die Präsenz seines Herzens?

Nein, es waren weder Atem noch Herzschlag. Es war … war … reines Gefühl. Es war Wärme, es war Freude, es war die Umschlingung eines Wesens für das Andere. Es war Liebe. Der Gesang. Das Gefühl. Die Bilder. Die Gedanken. Alles war ein einziges Ganzes, nur auf verschiedene Tonspuren gelegt. Telepathie! Überwältigt von der Wucht, mit der diese geballte Ladung unsichtbarer Energie in meinen Kopf eindrang, sprang ich hoch. Rasch hüllte ich mich in einen der bereitliegenden Umhänge und flog hinaus durch die Türe und direkt hinein in die weit geöffneten Arme meines Geliebten.

„Ich habe dich gehört!“ keuchte ich aufgeregt, obwohl ich keine Spur außer Atem war. “Ich habe dich gehört, nein, gesehen, nein gespürt! Es war alles auf einmal da und doch … deutlich voneinander getrennt, so dass ich alles gemeinsam und doch auch wieder einzeln wahrnehmen konnte! Es ist wunderbar!“

Mit selbstzufriedenem Lächeln umarmte mich der Geliebte. „Ich sagte dir schon damals, als du zum ersten Mal in unser Haus kamst, dass es wunderbar werden würde, sobald du verwandelt bist!“ „Das ist wahr. Das hast du gesagt!“ flüsterte ich beeindruckt. „Aber es ist noch faszinierender als ich es mir vorgestellt hatte!“ Beryll hielt mich fest und wartete. Es dauerte eine ziemliche Weile, ehe ich begreifen konnte, was mir soeben passierte.

„Ich bin Telepathin!“ hauchte ich andächtig. „Jetzt bin ich eine richtige Vampirin!“

Nach Zustimmung heischend sah ich zu Beryll hoch. Doch statt des erhofften Nickens, zeigte sich in Berylls Mundwinkel bloß ein abfälliges, aber durchaus liebevoll gemeintes Lächeln. Als er meine Enttäuschung spürte, vergrub er schnell seine Lippen in meinem Haar. Schon wollte ich aufbegehren und eine Antwort erzwingen, als diese sich hinter Berylls schöner Stirne von selbst formte. Ich brauchte sie mir nur aus seinen Gedanken herauszupflücken. („Dir fehlt immer noch die wichtigste Erfahrung, um als echter Vampir gelten zu können!“) „Ich weiß!“ erwiderte ich zerknirscht.

Hatte ich laut gesprochen oder es nur gedacht? Ich fühlte mich verwirrt. Denn nun waren nicht mehr nur meine eigenen, sondern auch Berylls Gedanken in meinem Kopf und ich musste erst lernen, die seinen von den meinen zu trennen. Ich wusste bloß, dass Berylls Gedanken klarer waren als meine. Und dass meine bockiger waren, hartnäckig und fordernd. („Ja, so bist du eben!“) sagte Berylls Stimme in meinem Kopf. („Von wegen devot.“) Er grinste und hob mich hoch. Der Umhang glitt von meinem Körper, so dass Berylls Hände direkt auf meiner Haut zu liegen kamen. Er blickte mir tief in die Augen; seine waren schwarz vor Begierde. Schon wähnte ich mich kurz vor einer Vereinigung, doch dann dachte er ein Wort, das alles veränderte: (BLUT.) Langsam ließ er es in meine Gedanken einfließen, als wäre es eine Infusion, die in einen kranken Körper eingeleitet wird…

Kaum hatte ich es aufgenommen, kam der nächste Tropfen. (BLUT) … sagte es abermals in meinem Kopf. (BLUT, BLUT, BLUT !) Immer schneller – wie Stromstösse – flossen die Worte, die immer nur Dasselbe bedeuteten, in mich hinein. Sie peitschten mich hoch, sie rührten mich auf … sie weckten mich.

„Bist du bereit?“ fragte Beryll verhalten. Ja! … schrie es in mir und laut brüllte ich es heraus – ohne Rücksicht auf Andere, die uns hören konnten. „Ja, ja, ja! Lass uns jagen gehen!“ Der Umhang glitt von meinem Körper, als Beryll mich wieder auf den Boden stellte. Erst jetzt sah ich, dass auch er einen ähnlichen Umhang trug. Blassblau, wie der meine, aber mit Edelsteinen bestickt. Mit einer einzigen Bewegung streifte Beryll diese Toga von seinen Schulten. Dann stand er vor mir. Nackt. Männlich. Göttlich.

Er nickte mir zu, ergriff meine Hand und zog mich mit sich. Plötzlich öffnete sich vor uns eine schmale Türe, die mir bisher nie aufgefallen war. In einem Tempo, das einen Gepard zum Schämen gebracht hätte, stürmten wir, Arm in Arm, hinaus ins Freie.

Nur schemenhaft erkannte ich im Vorbeiflitzen, meine schöne Betreuerin Sha-hi. Sie lächelte mütterlich und verständnisvoll.

 

 

Ein Autor wird geboren

Damit meine ich – selbstverständlich – nicht jenen heißen Sommertag im Juli 1953, als mich meine Mutter in der Gersthofer Frauenklinik nach nur zwei Stunden Wehen – freudig – sechs Wochen zu früh, zur Welt brachte. Freudig, da sie glücklich darüber war, bald wieder schlank und beweglich sein zu dürfen. Wie man mir glaubhaft versicherte, habe ich sofort geschrien, was sich noch lange Zeit in meinem Leben so fortsetzte.

 

Längst schon schrie ich nicht mehr, als ich zum Autor geboren wurde – genauer gesagt – zum Autorsein geführt wurde.

Denn, dass ich immer schon gerne schrieb, ist ein Fakt.

Aufsätze – ich war eine der Besten! Mächtig viele Briefe, noch mehr Liebesbriefe, viele Tagebücher und einmal, in meiner Zeit als „Möchtegernhippie“ (wie mich die Künstler in der Kahlenbergkommune bezeichneten) schrieb ich bereits einen Roman, der aber bei den vielen Umzügen meines Lebens und wegen Nichtbeachtung verloren ging. Er trug den für Möchtegernhippies typischen Titel „Solange es Blumen gibt“ und handelte von einer Hippiefamilie (meiner) und einer fiktiven Kommune.

Später schenkte mir Gott oder der große Geist, das Leben oder das Schicksal oder einfach mein unbändiger Wille – wahrscheinlich eine Kombination aus ALLEM – meine riesige Familie.

An Roman- und sonstiges Schreiben war nicht mehr zu denken.

Doch jede Nacht ehe ich einschlief oder während der stumpfsinnigeren Tätigkeiten, die so ein Haushalt mit sich führt, war ich gedanklich nicht anwesend, sondern in meiner Fantasiewelt, in der ich mir – geistig – schöne Dinge ausmalte und ausdachte.

 

Als meine Kinder zum Großteil alle erwachsen oder zumindest halbwüchsig waren, lernte ich einen Mann kennen, von dem ich dachte, er wäre die Liebe meines Lebens.

In die zehn Jahre, die ich mit ihm lebte, fällt auch die Zeit, da ich – inspiriert durch die TWILIGHT SAGA, die Ruhe und Stille auf dem Land und ermutigt durch seine Worte – zögerlich mit dem Schreiben begann.

 

Als ich an ERWACHEN schrieb, befand ich mich in einem eigentümlichen Zustand. Ich hatte das Gefühl in einem riesigen kohlrabenschwarzen Raum zu sein, alleine mit meinem PC und als einzige Lichtquelle nur ein Leuchtschild mit der Aufschrift ENDE ; ähnlich dem Ausgangsschild in einem dunklen Kinosaal.

Ich wußte, dass der Weg zu diesem Ende nur über den Roman führte, den ich zu schreiben hatte und zwar unter allen Umständen!

In diesem dunklen Raum nun tastete ich mich voran – vor mir blitzte regelmäßig „Etwas“ auf: z.B. ein Dialog, ein Blickwinkel, eine Handlung … sofort tippte ich es nieder. Dann wieder vollkommene Dunkelheit, bis abermals – vor mir sozusagen – eine Szenerie beleuchtet wurde und ich per Ahaerlebnis wieder weiterschreiben konnte…

Irgendwann verselbständigten sich die Charaktere und ich brauchte über nichts, als die bestmögliche Formulierung dessen nachzudenken, was die „Personen“ vorgaben.

Das Ende mutierte irgendwann von der Leuchtschrift zur Ahnung und dem Ziel, das ich erreichen wollte und selbst dies unterlag nicht wirklich meinem persönlichen Willen, sondern „geschah“ einfach, sozusagen „aus sich heraus“ …

Und irgendwann war ERWACHEN fertig.

 

Es folgte eine sehr unruhige Zeit, die ich nie wieder erleben möchte (und ja auch zum Glück nicht muß) denn ich wußte nicht wohin mit meinem Werk! Wie und was und wo und wer und wem (wie Professor Abronsius in Tanz der Vampire singt)

Langsam arbeitete ich mich Schritt für Schritt in der Welt der Bücher vor, keine Hilfe war in Sicht, weder besaß ich die finanziellen Mittel (ich bin nur pensionierte Hausfrau), noch nennenswerte Helfer, außer meinem Sohn Benjamin, der das erste Cover gestaltete und meinem Sohn Johannes, der sich die Mühe machte, mir beim Layouten ein wenig unter die Arme zu greifen (als selbst vollkommener Laie)

 

Doch irgendwann – learning by doing – begriff ich immer mehr und mehr wie der Hase läuft – viele Fehldrucke später sozusagen – und arbeitete mich ein in die Welt der Selfpublisher und auch wenn es klingen mag, wie der Fuchs, der die Trauben (noch) nicht erwischt: ich bin sehr froh und dankbar dafür, heute mit Fug und Recht behaupten zu können, Autodidakt zu sein. Ich habe alle sechs Romane (inklusive MAXIM, der nicht veröffentlicht werden kann) die ich schrieb, zu 90% alleine bearbeitet und veröffentlicht.

Selbstverständlich wäre es immer noch ein Traum von mir, von einem Verlag quasi „entdeckt“ zu werden, dies steht allerdings nicht mehr obenauf auf meiner Wunschliste, wie am Anfang, als ich ERWACHEN schrieb.

 

Einen Verlag zu finden, wäre das Sahnehäubchen auf meinem Kaffe und wie heißt es so schön: man kann Kaffe schwarz trinken, gezuckert und/oder mit Milch und vielleicht gibts auch ab und an Sahne – Schlagobers auf österreichisch, sorry – aber wichtig ist, dass der Kaffee gut ist!

 

Und das ist „mein Kaffee“ inzwischen.

Ich weiß, was ich zu tun habe, wie es funktioniert und was ich erwarten darf …

 

Die Verkaufs- und Verleihzahlen bei Amazon E-Books steigen langsam, aber stetig und inspirieren mich dazu, weiter und immer mehr zu schreiben, da sie mir zeigen, dass meine Leserschaft sich an meinen Romanen erfreut.

 

 

Ich bin AUTORIN und das mit Leib und Seele und hoffentlich bis ins hohe Alter, also bis 85 *zwinker*

 

 

 

Über mich

Ich wurde im Jahre 1953 in Wien geboren, als zweites Kind eines selbständigen Malers und Anstreichers und einer ehemaligen Bundesbahnmitarbeiterin. Die elf Jahre vor mir geborene erste Tochter meiner Eltern starb ein Jahr vor meiner Geburt bei einem furchtbaren Autounfall.

Meine Mutter hat diesen Verlust nie ganz verkraftet und dies leider an mir ausgelebt. Mein Vater aber, als gläubiger Mensch, schaffte es, die Liebe zu der verlorenen Tochter von der Liebe zum lebenden Kind zu trennen. Wo immer mein im Jahre 2000 verstorbener Vater jetzt auch sein mag – in meinem Herzen ist er jedenfalls so lange, wie es schlägt, denn er war ein wunderbarer Mensch und in Vielem mein Vorbild.

Meine Kindheit verlief langweilig und abwechslungsreich – je nach Betrachtungsweise. Heute weiß ich, dass in den frühen Sechzigern so viele Reisen zu machen, wie meine Eltern es sich leisten konnten, eigentlich etwas ganz Besonderes war, was ich mir damals nicht zu schätzen wußte.

Die viele Herumfahrerei, entweder nach Italien, Südtirol, Salzburg, Kärnten und später nach Jugoslawien nervte mich, störte sie doch meine Routine und meine Kreise, die hauptsächlich aus Malen und Lesen bestanden.

Einen Freundeskreis konnte ich erst in der Hauptschule aufbauen, da meine Eltern mich krampfhaft unter Verschluß hielten und jeden Fremdeinfluss von mir fern.

Die absolut schönste Zeit meiner jungen Jahre verbrachte ich aber bei meinen Großeltern. Meine Oma war eine sehr schlichte, aber extrem kluge und umsichtige Frau, die mit sich und der Welt im Reinen war und mir dadurch viel Wärme und Güte schenken und vermittelm konnte. Mein Großvater, ein ebenso schlichter, wie bescheidener Mann, der mit dem winzigen Reich, dass sich er und seine große Liebe – meine Großmutter – geschaffen hatten, vollauf sein Auslangen fand und niemals nach mehr strebte, war für mich stets ein Born ewig sprudelnder Zuneigung und Geborgenheit.

 

Bald schon – eigentlich in der Mitte der Hauptschule entdeckte ich die Liebe. Ein Stern ging für mich auf! Ein Stern, dem ich ein Leben lang gefolgt bin, mit wechselndem Erfolg, wie man sehen wird.

Doch so wenig mich die Schule bisher auch interessiert hatte …

(lieber las ich alles, was mir in die Finger kam, angefangen von der Perry Rhodan und der Wyatt Earp Story bis hinauf zu all den vielen Klassikern, die man in jeder öffentlichen Bibliothek nur leihen und lesen kann)

… umso weniger interessierte sie mich, nachdem ich mein vorrangiges Interessensgebiet entdeckte hatte: Mann und Liebe.

Die Bücher kamen ab sofort erst danach! :-)

 

Einer vier Jahre anhaltenden mehr oder weniger unerfüllten großen Liebe zu einem meiner Klassenkameraden folgten bald meine ersten sexuellen Erfahrungen, die sehr romantisch waren und als schöne Erinnerung in meinem Herzen ruhen. Mit sechzehn plötzlich traf ich – durch Zufall, oder war es Schicksal – meinen ersten Mann und es dauerte nicht lange, bis wir uns verlobten und im Jahre 1971 heirateten.

Auf den Tag genau ein Jahr später wurde unser erster Sohn David geboren. Ihm folgten im Abstand von eineinhalb bzw. drei Jahren noch zwei Buben, Raffael und Benjamin.

Wir bewegten uns in Kreisen, die aus Gesellschaftsverweigerern, Kommunarden, Künstlern, Studenten, Grafikern und sonstigen Hungerleidern bestand und fühlten uns als Hippies und Außenseiter.

Im Jahre 1978 brach mein Familienglück jäh zusammen, als sich mein Ehemann plötzlich als Fremdgeher entpuppte.

Hitzig wie ich war und rigoros, wie ich immer noch bin, reichte ich am nächsten Tag die Scheidung ein.

Was folgte, waren zwei Jahre eines unglücklichen Alleinerziehens, auch ein paar nette sexuelle Erfahrungen mit teilweise alten Freunden, bis ich im Jahre 1980 auf einem Sidhikurs der Transzendentalen Meditation meinen zweiten Mann kennen lernte und 1981 heiratete.

Unser erster Sohn kam neun Monate später zur Welt, Johannes. Es folgte ein weiterer Sohn, Simon.

Danach wäre für meinen zweiten Mann die Familienplanung abgeschlossen gewesen. Für mich nicht, denn ich wollte immer noch weiter Kinder bekommen, vorrangig natürlich endlich ein Mädchen!

Doch ich mußte mich fügen und begann mir Gedanken darüber zu machen, wie ich meine berufliche Zukunft gestalten wollte.

Sollte ich – spät aber doch – endlich Schauspielunterricht nehmen, oder sollte ich Hebamme lernen, um auf diese Weise mit Neugeborenen und Babys in Kontakt zu bleiben?

Ich beschloss mir zur Beantwortung dieser Frage bis zum Vorschulalter meines Jüngsten Zeit zu lassen, da passierte das „Wunder“…

Ich wurde ungeplant schwanger (eine vollkommen neuartige Erfahrung, denn bis dahin waren alle meine Kinder „gerufene“ gewesen) und mußte – wieder – komplett umdenken…

 

Als ich im Jänner 1989 meine erste Tochter, Teresa, in Händen hielt, war ich bestimmt die glücklichste Mutter im Universum.

Diese Freude wich – nicht lange danach – einer durch und durch neurotischen Angst, dieses kostbare Gut wieder verlieren zu können. Auf der einen Seite fünf wunderbare Söhne und da – das einzige Mädchen. Dieses Ungleichgewicht machte mir höllische Angst.

Mein Mann reagierte darauf mit Verständnis und Güte und wir beschlossen, es ein weiteres Mal zu wagen. Allerdings mußte ich ihm das Versprechen geben, egal, ob Bub oder Mädchen, danach loszulassen.

Ich versprach es…

…und im November 1991 erblickte mein jüngster Sohn, Julian, das Licht der Welt.

Er war eines der entzückendsten Kinder, die ich je geboren hatte und tröstete mich alsbald über die Tatsache hinweg, dass ich meinen „Joker“ verspielt und immer noch keine zweite Tochter bekommen hatte.

Da ich ein Versprechen gab, blieb mir kein großer Spielraum mehr, um meinen Traum doch noch zur Erfüllung zu bringen.

Bis auf einen, waren mir alle anderen Wege versperrt. Meinen – mehr als fairen – Mann konnte ich nicht nochmals bitten, also trug ich meine Bitte Gott vor und hoffte auf ein weiteres Wunder – wie seinerzeit bei meiner ersten Tochter.

Und es passierte tatsächlich so, wie ich in einsamen Stunden heiß erfleht hatte.

Im Februar 1995 hielt ich – endlich – meine zauberhafte dunkelhaarige zweite Tochter, Clara, im Arm. Zwei Töchter – ich fühlte mich gesegnet!

Und weil Gott machmal eben auch ein Scherzbold ist und wohl dachte, dass alle GUTEN Dinge mindestens drei sein sollen, schenkte er mir im November 1997 – mein jüngstes Kind – meine wunderschöne Tochter Marlene.

 

Trotz unserer entzückenden sechs gemeinsamen Kinder hielt unsere Ehe nur bis 2003, bis die Scheidung erfolgte.

Es gab zu viele Verschiedenheiten in unseren Ansichten über Kindererziehung und unsere Neigungen beim Sex hätten konträrer nicht sein können (ein Umstand, unter dem ich seit Angebinn unserer Ehe litt) und ich kam auch plötzlich mit der Tendenz meines Mannes, mich jederzeit kontrollieren zu wollen, nicht mehr zurecht.

Ich war in meinen zweiten Frühling eingetreten, genoss es die Kinder aufwachsen und selbstständiger werden zu sehen und bekam Lust, mich selbst wieder stärker als Mensch und Frau spüren zu dürfen.

Diese Entwicklung – nach zwanzig Jahren Ehe, wo ich nur das Hausmütterlein gewesen war, bescherte meinem Mann Angstzustände, die er nicht in den Griff bekam und ich war nicht bereit, dahin zurück zu gehen, wo ich vorher gewesen war.

Wir schieden als Freunde, die wir heute noch sind.

Unsere Freundschaft vertieft sich in dem Maße, wie alter Groll schwindet…

 

Was nun für mich folgte, war eine der schönsten und intensivsten Zeiten meines Lebens.

Daheim war ich Mutter und Hausfrau und das zu 100 % – doch wenn ich ausging – und ich GING aus – war ich einfach nur eine Frau, die sich frei fühlt. Frei zu kommen und zu gehen, ganz wie es ihr beliebt und zu lieben, wo sie will, wann und wen sie will.

Schöne Erfahrungen wechselten mit weniger schönen. Bedeutungsvolle mit bedeutungslosen, doch jeder Mann, den ich treffen durfte, bereicherte auf die eine oder andere Art meinem Erfahrungsschatz.

Endlich konnte ich das Leben nicht nur durch die Fensterscheibe, sondern pur und live erleben!

In einem Punkt aber war ich mir all die freien Jahre über sicher: ich wollte nie wieder heiraten und nie wieder mit einem Mann zusammenleben, einfach, um mich nie wieder „aufspalten“ zu müssen zwischen Partner und Kindern…

Als Alleinerzieherin war ich Alleinverantwortliche und das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Wenn etwas schiefläuft, braucht man nicht lange zu fragen, wer schuld ist. Man weiß es :-)

 

In diese Zeit fielen auch meine Erfahrungen „der besonderen Art“, die mir tiefe Einsichten in mein eigenes Seelenleben und mein innerstes Wesen vermittelten.

Diese wilde und sehr schöne Zeit endete jäh, als ich mich zu einer weiteren „richtigen“ Beziehung überreden ließ. „Wankelmut, dein Name ist: Weib“ .-)

Sie dauerte zehn Jahre und endete kurz vor Weihnachten 2017.

Alles ist noch zu frisch, um aus der Erinnerung daran irgendetwas Schönes behalten zu können, was nicht durch das lächerliche jähe Ende wieder ad absurdum geführt werden würde.Vielleicht – nein bestimmt – kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo ich auch diese Zeit ebenso gelassen und abgeklärt sehen kann, wie meine übrige Vergangenheit!

 

Aber ich erfreue mich derzeit mit großer Vehemenz daran, wieder eine freie Frau zu sein, die über ihre gesamte Lebenszeit frei verfügen und tun und lassen kann, was sie möchte! Die ihre Kinder einladen, Freunde und Freundinnen besuchen und mit ihnen Spaß haben kann, soviel sie möchte und der keinerlei geistige Beschränkungen auferlegt werden – nur um der lieben Beziehung willen …

 

In jeder nur erdenklichen Hinsicht :-)

 

 

 

Gedankensplitter zu Band VII meiner Vampirsaga SORAILS ERBEN

„Josephine, du hättest bei Gerald bleiben sollen!“ Vanessa warf den Satz, völlig unpassend zu dem Gespräch, das wir drei Freundinnen gerade noch geführt hatten, in den Raum. Romina, die damit beschäftigt war, die Endfäden ihres selbstgeknüpften Wandteppichs zusammenzuführen, hob erstaunt den Kopf: „Wie bitte kommst du denn jetzt ausgerechnet darauf?“

Kampfeslustig erwiderte Vanessa den Blick der langjährigen Freundin: „Na denk doch einmal mit klarem Verstand und nicht nur mit dem Herzen einer liebenden Schwägerin. Kaum ist Beryll ein paar Monate wieder hier im Lande, muß er plötzlich und unerwartet nach Bolivien reisen. Als ob er in den Jahren, die die Beiden zusammen sind, etwas anderes getan hätte, als zu reisen! In diesen monatelangen Abwesenheiten steckt etwas Krankhaftes, das sage ich dir. Ich meine, ihr seid jetzt Teil dieser Familie …“, Vanessa senkte die Stimme, nichts davon ahnend, dass sie von Gedankenlesern umzingelt war.

„…und daher könnt ihr nicht so reden und wohl auch nicht so klar denken wie ich. Aber habt ihr euch nie gefragt, warum eine Familie so viele Wohnsitze weltweit benötigt, ständig in der Weltgeschichte herumfährt, wochenlang abwesend ist und immer so geheimnisvoll tut, dass es einem übel werden könnte. Ich sage euch – auch wenn ihr mich dafür hassen werdet – aber ich glaube, dass die Lennarts mit der Mafia verbandelt sind! Dafür spricht ja schon dieser florentinische Zweig der Familie. Und erst dieser Serrano. Jedesmal wenn er spricht, läuft mir ein Schauer den Rücken hinab; der Pate, wie er leibt und lebt. Ihr braucht mir nicht zu antworten. Ihr wißt es wahrscheinlich ohnedies, und verliebt wie ihr seid, müßt ihr ja eure Augen vor der Wahrheit verschließen. Auf soviel Luxus würde ich auch schwer verzichten.“

Vanessas Gesicht erstrahlte in der Siegesgewissheit ihres Erkenntnis. Und sie hatte noch einen Trumpf in der Tasche. „Und glaubt nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass ihr auch Celine auf eure Seite gezogen habt. Bestimmt ist sie auch schon längst so brainwashed wie ihr. Geld stinkt halt nicht.“

Sie drehte sich im Kreise, mit ihrer Linken anklagend auf das riesige Lennartanwesen deutend.

Romina schüttelte sich angewidert, schwieg und arbeitete weiter an ihrem Werkstück. Die Hüter des Tempels von Maginot hatten Romina und mich darum gebeten, Wandteppiche für ihre Wartehalle zu fertigen. Dort sollten sie – inmitten hunderter andere Wandteppiche aus allen möglichen Menschheitsepochen – die Mauern schmücken und nachfolgenden Adepten Zeugnis geben über das reiche Innenleben der unsterblichen Aldori.

Leider war ich nicht so gefasst und gleichmütig wie meine Freundin Romina. Meine Gabe, die Gedanken Anderer lesen zu können, war noch jung und immer noch machte es mich wütend, zu sehen, was genau sich hinter so manch schöner freundlicher Fassade so verbarg. Obwohl – Vanessa war immer schon „so“ gewesen und das, was ich in ihrem Kopfe las, nicht so verschieden von dem, was sie aussprach. Aber das mit Beryll ging mir nun doch zu weit; nun verdächtigte sie ihn sogar, in Bolivien eine heimliche Freundin zu haben.

Seit wir damals, nach Berylls Rückkehr aus der jahrelangen Gefangenschaft in den Klauen der bösartigen Upec-chi, die – zugegebenermaßen – tolpatische Lüge vom Untertauchen und Fremdgehen erfunden hatten, kam Celine immer wieder auf dieses Thema zurück. Es hatte es ihr angetan, Beryll und seine angebliche Untreue immer wieder zu zerpflücken. Sie wollte Details über diese Frau wissen, mit der er heimlich gelebt hatte. Es beschäftigte ihre Fantasie und ließ sie nicht los. Jetzt zb wieder malte sie sich aus, wie Beryll in Bolivien grade eben eine schwarzhaarige lockige Schönheit verführte. In ihrer Vorstellung von Berylls sexuellen Vorlieben lag sie aber sowas von falsch, dass ich nicht umhin konnte, lauthals loszulachen, was mir einen warnenden Blick von Romina eintrug. Vanessa konnte und durfte nicht wissen, dass ich ihre Gedanken las …

„Kommst du schon wieder mit der alten Geschichte von Berylls Untreue daher? Das ist jetzt bald mehr als ein halbes Jahrzehnt her und du kannst es immer noch nicht ruhen lassen? Oder warum denkst du, dass ich hätte bei Gerald bleiben sollen?“

Ich seufzte, legte meine Version eines spirituellen Wandteppichs beiseite und machte mich dazu bereit, mir Vanessas wirre und anklagende Aussprüche anzuhören. Wo es doch um so Vieles leichter war, mir in ihren Gedanken einen Überblick über das zu machen, was sie wirklich bewegte. Ich wußte es ja schon längst: Vanessa war immer schon spitz auf Beryll gewesen; wie sie ja spitz auf fast jedes männliche Wesen unter Fünfzig war. In Berylls Fall vielleicht unter Fünfhundert. Wieder mußte ich mir ein Lachen verkneifen. Vanessas innere Visionen von Sex mit den verschiedensten Männern ersetzte jedes Kino, jedes Theaterstück und jede Serie…

 

(Rohfassung. Aus dem Kopf heraus getippt. Fehler möglich)

 

Venedig

Ein aufregender Tag mit Auf und Ab

Nachdem ich gestern mit der Serie „Glitch“ fertig wurde (und natürlich sofort googelte, ob es eine Staffel 3 geben wird. Ja, wird!) fiel ich in tiefen und seligen Schlaf. Ich bin von Natur aus von Gott mit herrlichen Träumen gesegnet. Nur gelegentlich schleicht sich ein unsymphatischer Traum ein, in dem es um nichts Schönes geht. Die meisten meiner Träume sind harmonisch und romantisch. Ein Ayurvedaerfahrener würde sagen, es handle sich um KAPHA Träume. Ja, tut es. Ich war mit einem PITTA-Mann verheiratet und der träumte (arme Sau) regelmäßig nur von Kämpfen und Zerstörung und Verfolgung :-)

Nach dem Aufstehen fuhr ich sofort zum Zahnarzt, der die Fäden nach einer Splitter-OP zog und danach gleich wieder heim. Ich trug nämlich den, mir von meiner Jüngsten, geschenkten, bodenlangen Mantel. Und da ich nun mal leider – auf gut wienerisch gesagt „a Oasch auf da Ead“(für Deutsche übersetzt: klein) bin, war er mir zu lang. Grad‘ nur so lang, dass ich nicht stolperte und hinfiel. Habe mich auch ein wenig geschämt, weil ich mich wie so eine alte Verrückte fühlte, die man dann und wann in den U-Bahnstationen herumlaufen sieht: völlig gaga angezogen und schlampig aussehend.

Daheim habe ich den Mantel sofort einer scharfen Zensur unterzogen. Alles, was mir daran nicht gefiel, wurde weggeschnitten, Knöpfe weggenommen und aus dem Zweireiher (ein absolutes no-go für rundliche Frauen) wird jetzt ein Einreiher. Ich freue mich drauf, ihn bald ganz umzuändern und natürlich zu kürzen.

Bis dahin ging es mir eigentlich super gut. Doch dann postete ich den Artikel über meine Gedanken beim Zahnarzt und schon war es vorbei mit meinem bis dato schönen Seelenfrieden. Auch wenn ein Autor LIEBEVOLL mißverstanden wird: mißverstanden bleibt trotzdem mißverstanden. Und das Gefühl hatte ich heute ganz stark: mißverstanden zu werden!

Gut, die Menschen in Facebook kennen mich ja nicht. Nicht so, wie meine Kinder und meine Freunde mich kennen. Und daher kann keiner wissen, dass ich IMMER und IMMERZU über irgendwelche Dinge grübelte und grüble. Momentan ist es dieses Thema. In einem Jahr bestimmt ein Anderes. Ich denke. Also bin ich. Scheinbar bin ich ein wenig mehr, weil ich scheinbar mehr denke. Nein, Spass! Ich fühl mich nicht als Mehr, nicht, dass das jetzt auch noch mißverstanden wird! :-)

Aber der – für mich – wirklich absolut unbrauchbarste Rat, den mir jemand geben kann, ist „nicht so viel drüber nachzudenken“. DAS nämlich ist der VATAanteil meines Wesens – das viele Denken. Weder leide ich darunter, noch möchte ich es los werden. Einer meiner Söhne leidet sehr unter übersteigerter Denkativität, aber ich denke manchmal nur so, zum Spass und zur Unterhaltung. Ich nehme mir einen Gedanken und spinne ihn endlos weiter, solange er mich beschäftigt und ich Interesse daran habe. Damit brachte ich seinerzeit schon meine Freundinnen zur Verzweiflung – ganz besonders meine arme, liebe Silvie. Sie nahm das Alles völlig ernst und hat immer nach Lösungen für mich gesucht. Heute weiß sie, dass meine Gedanken wie die Schlangenköpfe der Medusa sind: jeder abgeschlagene Kopf wächst – in anderer Form möglicherweise – wieder nach.

Also hier sage ich es laut und deutlich (die, die es nicht glauben wollen, glaubens jetzt halt nicht.) ICH SUCHE KEINEN MANN. Was ich aber sehr wohl tue, ist über das Thema Mann und die Liebe allgemein nachzugrübeln. Auf der Straße studiere ich Paare, hier im Haus meine verpaarten Kinder und ich grüble ebenso über meine eigenen vergangenen Beziehungen. Ich sehe Paare miteinander blödeln, sehe sie sich küssen, höre, wie sie Pläne schmieden und kann sogar schon voraussagen, wann sich ein Streit entwickeln wird.

Und dann frage ich mich ernsthaft: „Fehlt mir das?“ Und zu meinem eigenen bassen Erstaunen, kommt immer nur die Antwort: „Nein. Der Preis ist zu hoch für das was „geboten“ wird.“ Erst unlängst sprach ich mit einem meiner Söhne über das Thema und auch er meinte, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis selten stimme, dass man dies aber immer erst merke, wenn man „außerhalb“ ist. Wie wahr, wie wahr!

Und am Ende solcher Überlegungen bleibt – für mich – nur das Eine übrig: Angst. Blanke Angst. Angst davor, dass ich mich wieder verlieben könnte und wieder so verblöde, wie ich zu verblöden pflege, wenn ich mich verliebe. Meine Kinder können ein Lied davon singen. Immerhin waren sie Zeugen :-)

Ich bin, wenn es passiert, sowas von dumm, dass es fast schon bestraft gehört, bzw. dass ich dafür eigentlich in Sicherheitshaft gehörte, bis es abgeklungen ist. Denn das dicke Ende kommt irgendwann. Unweigerlich. Und dann stehe ich da, blicke zurück und denke mir: „Was?“ oder „Für DAS?“ oder „Für DEN?“ und alles liegt klar und offen vor mir. Auch die Peinlichkeit all der Dinge, die ich – aus Liebe – falsch entschieden habe und die sich – verdammt nochmal – nicht mehr zurückbiegen lassen.

Da habe ich nun diese Freundschaft Plus (auch wenn ich W. gegenüber noch nie erwähnt habe, dass ich es AUSSCHLIESSLICH so sehe) und könnte es genießen, denn es ist schön mit ihm. Wäre da nicht die Angst im Nacken. Ich war schon einmal in ihn verliebt, wer weiß? Bei vielen Krankheiten wähnt man sich auch geheilt und doch gibt es einen Rückfall. Und genau das darf mir nicht mehr passieren !

Ich habe nämlich im Jahr 1972 eine klare Entscheidung getroffen, die mein ganzes Leben in eine wunderschöne und eindeutige Bahn brachte.  Ich habe ich mich zum Muttersein entschlossen. Das ist für mich keine biologische, sondern eine spirituelle Aufgabe und sie half und hilft mir ungemein, Geist und Herz weiter und größer zu machen! Und nichts und niemand mehr sollte sich – meinem inneren Wunsch gemäß – dazwischen stellen können. Nicht einmal ein ebenso wunderbarer Mann, von denen es da draußen gewiss tausende und abertausende gibt, dessen bin ich mir sicher.

Eine Frau muß sich wohl irgendwann in ihrem Leben entscheiden, ob sie eine Mann-Frau sein will oder eine Mutter-Frau. Manche Frauen schaffen Beides; ich eindeutig nicht. Daran ist nichts Trauriges. Es ist bloß eine Realität, der ich mich stellen muß.

Und ich stelle mich ihr – wie ich mein ganzes Leben schon lebte – nach AUSSEN und nicht heimlich, still und leise nach innen. Und darum schreibe ich so viel darüber und ihr lest es dann. Alles klar, Kommissar?  :-)venice-194835_640

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ehe das Arbeiten beginnt

Da steht nun also „Blog“ auf meiner neuaufgemöbelten wordpress-Seite und das irritiert mich ein wenig. Nicht etwa, weil ich ein Problem damit hätte, selbst die intimen Dinge aus meinem Leben niederzuschreiben und zu veröffentlichen, nein, sondern weil ich schlicht und einfach noch nie das Wort „Blog“ für meine täglichen Schreibereien verwendet habe. Als die – sozusagen – „Erfinderin der Schwellenangst“ ist für mich alles Neue aufregend und hemmt mich im ersten Augenblick. Also auch das Wort „blog“. :-)

So! Jetzt hab ichs überwunden :-)

Steht ja schon was da, also ist es schon wieder Vergangenheit. „Wann beginnt die Gegenwart zur Vergangenheit zu werden?“ „Genau jetzt!“ Also dann… :-)

Normalerweise lasse ich meine geistigen und gelegentlich auch geistlosen Ergüsse auf Facebook niederprasseln, aber jetzt wird das anders. Jedenfalls immer, wenn ich einen PC oder Laptop in der Nähe habe. Der Unterschied? Am Smartphone tippt es sich einfach schwerer, obwohl ich darin inzwischen auch schon eine Art Meisterschaft erlangt habe.

In einigen Stunden Mammutarbeit habe ich also gestern und heute das Meiste meiner Öffentlichkeitsarbeit auf Avienne Reims umgestellt. Facebookleser wissen warum, die wordpresser natürlich nicht, also hier in Kurzschrift … oops … nein, das geht ja nicht; Kürzel sind nicht auf der Tastatur angelegt. Also dann in der langen Version :-)

„Isabella Khazeesi“, mein bisheriger Autorenname ist eigentlich aus einem Scherz heraus entstanden, den mein (mir jetzt extrem unsymphatisch gewordener) Expartner genau in der Zeit machte, als ich auf der Suche nach einem passenden Pseudonym war.

Im wahren langweiligen Leben heiße ich Eveline Nemec – ein Name, den ich sehr hasse, schon seitdem ich ihn im Jahre 1981 angenommen habe – aus Liebe natürlich, was denn sonst? Endlich ein Pseudonym wählen zu dürfen, war für mich eine riesige Erleichterung. Mir wären solche Namen wie „Liliental“ „Lilienfeld“ „Blumenfeld“ oder „Elstein“  vorgeschwebt, also etwas, das leicht auf der Zunge liegt und blumig und rund „schmeckt“. Doch mein Expartner sagte dazu nur: „An Judennamen willst?“ und hat mir stattdessen vorgeschlagen, mich „Khazeesi“ – die Mutter der Katzen – zu nennen. Ich saß damals auf der Veranda vor seinem Haus und drei meiner fünfwöchigen Katzenbabies kletterten mir auf der Schulter. Er sagte: „Du schaust aus wie die Khaleesi (aus Game of Thrones) mit ihren drei Drachen, nur halt mit Katzen!“

Damals fand ich das originell und wählte dazu jenen Vornamen, in den ich schon seit meiner Kindheit verliebt gewesen war „Isabella“. So enstand also mein Pseudonym Isabella Khazeesi. Doch bald schon merkte ich, dass die Leute das doppelte „ee“ nicht wie ein „i“ aussprechen – wie bei „Khaleesi“ – sondern eben deutsch wie zwei normale „ee“! Also hieß ich Khazeesi – wie Zehe? Na toll. Ich suchte nach einem anderen Namen, schlug auch auf Facebook welche vor, doch das allgemeine Tonal war immer wieder: „Den Namen Khazeesi beibehalten.“ Das tat ich dann, weil ich eben ein dummer Mensch bin, der oft mehr daran denkt, die Anderen zu befriedigen, als sich selbst :-)

Als sich mein Lebensgefährte kurz vor Weihnachten 2017 unter dubiosen Umständen von mir trennte, spürte ich plötzlich mit aller Macht, dass ich „so“ nun wirklich nicht mehr heißen konnte. All mein Denken und Fühlen war darauf ausgerichtet, den Mann so rasch wie möglich aus meinen Gedanken loszuwerden und ins Vergessen gleiten zu lassen und dann stolperte ich ständig über seine Namenskreation?

Der Nachname war schnell gefunden. Ich habe adelige Vorfahren, einen gewissen Carolus von Reims und Pourlemand und da Pourlemand (dessen Schreibweisen in den alten Unterlangen mehrmals ausgebessert wurde) wieder nur ein ZUNGENBRECHER a la Khazeesi geworden war, war mir klar: ich möchte REIMS heißen! Für einen neuen Vornamen googelte ich, da mir „Isabella“ durch das blöde Khazeesi auch verdorben worden war. Es gab da so einige tolle Namen – auch in meinem Vornamenbuch für Neugeborene – und bei einem von diesen blieb ich hängen „Flavienne“. Fast hätte ich ihn auch gewählt, wäre da nicht dieser leckere FLANA PUDDING gewesen, den meine Oma mir jedes Wochenende kochte, wenn ich bei ihr war :-) Ähnlich wie ein Pudding wollte ich nun doch auch nicht heißen, also ließ ich das „FL“ einfach weg und nun heiße ich wie eine echte Wienerin mit Leib und Seele eigentlich heißen soll:

AVIENNE   :-)

P.S. Wenn mich früher jemand auf der Straße „Frau Khazeesi“ gerufen hätte, hätte ich mich totgestellt. Keine Faser in mir wollte so heißen! Aber falls mich jemand „Frau Reims“ rufen sollte, drehe ich mich doch glatt um und drücke ihm erfreut die Hand.

Es ist für einen Autor total wichtig, sich mit seinem Pseudonym identifizieren zu können. WENN man schon einmal im Leben die Möglichkeit hat, sich gratis sowohl einen neuen Vornamen, als auch Nachnamen aussuchen zu können, dann sollte man, verdammt-noch-mal einen wählen, den man auch liebt <3

So. Und jetzt gehe ich an LOVEMEN weiterarbeiten. Mit neuen Ideen und neuem Schwung.

 

 

  1. Blogeintrag fertig. Over and out.

 

 

 

 

Neues Jahr und neuer Name. Gedanken zu meinem Leben.

Nach sehr langer wordpress Pause sitze ich hier und tippe endlich wieder ein paar Zeilen. <3

Bald sind all meine Accounts auf meinen neuen Namen umgestellt, all meine Bücher werden mit ihm versehen und so bin ich zuversichtlich, dass mein erster Autorenname bald für immer in Vergessenheit geraten wird.

Mein bürgerlicher Name ( der dritte seit meiner Geburt)  tut nichts zur Sache. So viel aber sei gesagt: er ist typisch österreichisch, typisch wienerisch, typisch böhmisch, typisch hässlich :-) Ich bin froh, als Künstlerin das Recht in Anspruch nehmen zu können, mir einen anderen auszusuchen.

Schon mein Geburtsname war ein hässlicher, ebenso wie der aus meiner ersten Ehe. Ich habe wirklich lange überlegt, welchen dieser drei hässlichen Namen ich für meine Karriere als Autorin nehmen sollte und entschloss mich letztlich für … keinen!

Mein erster Autorenname entsprang einem scherzhaften Moment mit meinem Lebensgefährten und da er mich für immer an diesen erinnern würde, habe ich mich von ihm ebenso getrennt, wie vom Lebensgefährten persönlich :-)

Mein neuer Name Avienne Reims gibt ein bestimmtes Lebensgefühl wieder, nämlich meins, meins ohne einen Partner und ohne die Beratung durch einen voreingenommen Partner. Ein wirklich schönes Gefühl, denn es ist nicht gut, Romane unter einem Namen veröffentlichen zu müssen, mit dem man sich selbst nicht identifizieren kann.

Seit Anfang des Jahres 2018 bin ich nun also eine „entheiratete“ Frau, mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt und mit einem neuen Autorennamen, der direkt aus meinem Herzen stammt…

Ob der Name neue Erfolge bringt, steht noch in den Sternen. Für mich persönlich aber bringt er bereits den inneren, seelischen Erfolg, dass ihn zu lesen, mir immer und immer wieder aufs Neue Freude bereitet. Noch dazu, wo der Name REIMS nicht meiner Fantasie entsprang, sondern der tatsächliche Name einer meiner Vorfahrinnen ist, die um 1800 in Frankreich lebte. Ihr vollständiger Name war Freiin Caroline von Reims und Pourlement.

Freiin bin ich seit Jahresanfang ebenfalls; zwar nicht adelig, aber trotzdem frei.

Auf jeden Fall so frei, hier wieder ein paar vorlaute Absätze zu posten  :-)

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